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Der Haifischsang
Des Meeres Unergründlichkeiten, seine unerschöpflichen Wunder und die Gewalt und Majestät der tiefen, großen Wasser haben von jeher auf mich eine Anziehungskraft ganz eigener Art ausgeübt. Kannte ich schon als Kind nichts Schöneres, als am Strande der Nord- oder Ostsee zu liegen und unverwandt in stillem Genießen aufs Meer hinauszu- starren, so vertieften sich diese Gefühle naturgemäß ganz wesentlich, als ich in reiferem Alter die besonderen Schönheiten der See schätzen und lieben lernte. So kam es auch, daß ich in Ostafrika meine Pflanzung aus einer Halbinsel anlegte. Dort bin ich dann auch ganz und gar zur „Wasserratte" geworden, mußte auch fast täglich auf dem Wasser liegen, um meinen Mangrovenholzversand zu überwachen, und fuhr, wie ich schon einmal erwähnte, auch gar oft zu Wasser nach Tanga. Mit was? Nun zunächst mit einem „Tumvi" (gewöhnlicher Einbaum) oder „Galawa" (ganz schmaler Einbaum mit Auslegern), dann auch mit einer mehr oder weniger großen „Dhau" (arabisch getakeltes Segelboot bezw. Segelschiff), endlich mit einer Kapitänsgig, die ich von einem Dampfer kaufte und „Karin" nannte. In diese baute ich schließlich einen Motor ein, und davon will ich im vorletzten Kapitel erzählen. Jetzt aber will ich berichten, wie es dann zuging, wenn mich einmal wieder mein „Raubtiecjagdfieber" verleitete, auch dem Raubtier der Meere, den: Haifisch, zu Leibe zu rücken.
Ich hatte also wieder einmal dieses „Fieber" und ließ daher meine erfolgreichsten Haifischfänger, Hindu und Bo- bea, rufen, zwei Kerle, die sich in und auf dem Wasser ebenso zu Hause fühlten wie auf dem Lande. Es galt, früh aufzubrechen, denn wir hatten an diesem Tage früh zeitig
v. ByerII, Ostafrikanische Momentbilder 7