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Shamba, Mpori und Bahari : ostafrikanische Momentbilder / von Gerhard von Byern
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Der Entfesseluiigskimsller

Wenn ich im vorigen Kapitel sagte, daß es nnratsam sei, anf einer Kautschuk- oder Palmenpflanznng Löwen abzu­schießen, so kann es doch Fälle geben, wo, wie in der Er­zählungIm Brunnen" der Abschuß des einen oder andern Löwen aus zwingenden Gründen erfolgen muß. Ein solcher Grund liegt immer vor, wenn sich ein Löwe nicht an dem reichlich vorhandenen Wild genügen läßt, sondern znm Viehranb übergeht. Der Schritt von: Viehraub znr Men­schenfresserei ist aber erfahrungsgemäß beim Löwen sehr schnell getan. Ja in manchen löwenreichen Gegenden, wie im Rufijidelta, gibt es ältere Löwen, die überhaupt ein für allemal nur von Menschenfleisch leben und sich nicht genieren, abends zwischen die an hell brennenden Feuern sitzenden Neger zu springen und sich einen von ihnen her­auszuholen. Ganz freche versuchen wohl sogar an: hellichten Tage einen Angriff anf den Menschen. Man kann es sich also ruhig zum Prinzip machen, einen Vieh raubenden Löwen abzuschießen, wenn man ihn beiläufig gesagt nämlich kriegt. Daß das nicht so einfach ist, mag nachfol­gend geschilderte Begebenheit beweisen.

Schon öfter war mir von meinen Leuten erzählt worden, daß sich in der Nähe des Dorfes Kichakamiba ein scheinbar alter Mähnenlöwe herumtreibe. Es ist natürlich immer verdächtig, wenn ein Löwe anfängt, spähende Blicke in ein Dorf zu werfen, es lag aber noch kein Grund zum Ein­schreiten vor. Eines Tages aber wurde mir berichtet, der Löwe hätte in Kichakamiba ein Schaf geschlagen. Ich baute also mit aller Vorsicht in der Nähe des Dorfes eine soge­nannteLöwenboma", d. h. einen kleinen, nach einer Seite offenen Stall, in den: ein Schaf angepflöckt wurde. An