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Der Entfesseluiigskimsller
Wenn ich im vorigen Kapitel sagte, daß es nnratsam sei, anf einer Kautschuk- oder Palmenpflanznng Löwen abzuschießen, so kann es doch Fälle geben, wo, wie in der Erzählung „Im Brunnen" der Abschuß des einen oder andern Löwen aus zwingenden Gründen erfolgen muß. Ein solcher Grund liegt immer vor, wenn sich ein Löwe nicht an dem reichlich vorhandenen Wild genügen läßt, sondern znm Viehranb übergeht. Der Schritt von: Viehraub znr Menschenfresserei ist aber erfahrungsgemäß beim Löwen sehr schnell getan. Ja in manchen löwenreichen Gegenden, wie im Rufijidelta, gibt es ältere Löwen, die überhaupt ein für allemal nur von Menschenfleisch leben und sich nicht genieren, abends zwischen die an hell brennenden Feuern sitzenden Neger zu springen und sich einen von ihnen herauszuholen. Ganz freche versuchen wohl sogar an: hellichten Tage einen Angriff anf den Menschen. Man kann es sich also ruhig zum Prinzip machen, einen Vieh raubenden Löwen abzuschießen, wenn man ihn — beiläufig gesagt — nämlich kriegt. Daß das nicht so einfach ist, mag nachfolgend geschilderte Begebenheit beweisen.
Schon öfter war mir von meinen Leuten erzählt worden, daß sich in der Nähe des Dorfes Kichakamiba ein scheinbar alter Mähnenlöwe herumtreibe. Es ist natürlich immer verdächtig, wenn ein Löwe anfängt, spähende Blicke in ein Dorf zu werfen, es lag aber noch kein Grund zum Einschreiten vor. Eines Tages aber wurde mir berichtet, der Löwe hätte in Kichakamiba ein Schaf geschlagen. Ich baute also mit aller Vorsicht in der Nähe des Dorfes eine sogenannte „Löwenboma", d. h. einen kleinen, nach einer Seite offenen Stall, in den: ein Schaf angepflöckt wurde. An