Druckschrift 
Shamba, Mpori und Bahari : ostafrikanische Momentbilder / von Gerhard von Byern
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen
 

62

Mimikry

Eines Morgens, als ich gerade anf die Pflanzung gehen wollte, sprach mich ein alter Neger an, und es entspann sich folgendes Gespräch:Herr, hast du in Bahashas Feld ein Eisen stehen?"Ja."Dann sitzt ein Leopard drin, aber sehen kann ich ihn nicht."Warum denn nicht? Sitzt er im Busch?"Gar nicht im Busch, gleich am Wege."Du bist verrückt."

Nach diesem kurzen Frage- und Antwortspiel holte ich mir meine Büchse und ein paar Leute und stiefelte los. Gleich am Wege, nicht im Busch und nicht zu sehen? Der Alte mußte wohl den Hühnerplinz haben. Ich kannte doch das Gelände. Daß außer den von mir bestellten Leuten noch mehr mitgingen und sogar ein Aufseher von seinen Leuten fortging, um errötend meinen Spuren zu folgen, kümmerte mich weiter nicht und ich sagte nichts dazu. Ein Leopard war schnell abgetan. Wenn nur der Aufseher nachher um so besser aufpaßte. Nach kaum zehn Minuten waren wir an Bahashas Feld angekommen. Ein drohendes Knurren be­lehrte mich darüber, daß der Leopard unmittelbar vor mir lag. Aber wo? Das Feld war bis jetzt nur geschlagener Busch, und durch die vertrockneten Zweige schien die Morgen­sonne und malte zitternde Schatten auf den Grund. Ja, ging denn das mit dem Teufel zu? Der Leopard war da und doch nicht da. Ich wollte mich nicht blamieren und die Leute fragen, wo denn derChui" sei, merkte aber schließ­lich, daß ihn auch die geübten Augen der Neger nicht ent­deckten. Vorgehen war gefährlich. So warfen wir mit Stei­nen. Aber der Leopard, der wohl zu wissen schien, daß er nicht zu sehen war, grunzte und orgelte wohl mehr als vernehmlich und zeigte uns dadurch, daß wir ganz, aber