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Der merkwürdige Einhufer
Es war in der ersten Woche meiner Steppenreise, und ich saß noch nicht im Kampi ya ndiga fest, als ich die merkwürdigste Fährte entdeckte, die ich je in der Steppe sah. Wir hatten erst im Dorfe Bnda im Zelt gewohnt. Da in und um Bnda nicht viel los war, hatten meine Frau und ich beschlossen, den Platz zu wechseln und eben dorthin zu gehen, wo später das Kampi ya ndiga lag. Wir hatten verabredet, daß meine Frau mit den Trägern aus dem geradesten Wege losmarschieren sollte, während ich seitwärts vorn Wege in den Busch hineinwandern und auf Jagd gehen wollte. Zur Mittagszeit wollte ich dann auf dem verabredeten Zeltplätze sein. Es war mir so gegen 8 Uhr gelungen, ein Pinselohrschwein umzulegen, und ich wollte mich gerade nach etwas Besserem umsehen, als ich einen schmalen Pfad kreuzte, der sich von Westen nach Osten hinzog. Da entdeckte ich die Fährte. Sie war nicht groß, doch von einer merkwürdigen Form. Da sie keinen Spalt auswies, mußte sie einem Einhufer angehören. Aber wo gab es einen solchen außer dem Zebra? Es hätte ein ganz kleines, junges Zebrachen sein müssen, aber ein solches läuft doch wahrhaftig nicht bei Nacht und Nebel ohne Begleitung Erwachsener in der Steppe herum. Vielleicht ein wilder Zwergesel? Gab es solche in Ostafrika? Ich hatte nie davon gehört. Der Sache mußte auf den Grund gegangen werden. Ich rief meine Schwarzen, aber auch sie wußten nicht, was es sein könne. Festgestellt wurde nur, daß das Stück einem auch von Negern kürzlich betretenen Pfad gefolgt sein mußte, und zwar war seine Richtung der Richtung, die die Neger gegangen waren, offenbar entgegengesetzt.
v. Bycrn, Ostafrikanische Momcntbilder 4