Professor Dr. Philipp von Heck
Prorektor der Universität Tübingen.
Es ist im allgemeinen nicht üblich, dass bei einem Festessen nach einer geschäftlichen Verhandlung sachliche Fragen wieder aufgegriffen werden. Noch weniger ist es üblich, dass bei einer solchen Gelegenheit Widerspruch gegen sachliche Ausführungen erhoben wird. Aber heute liegt ein Ausnahmetall vor. Ich muss Widerspruch erheben und zwar gegen den Bericht, den Konsul Wanner über die Vorbereitung des Ausland- Museums erstattet hat.
Nach der Schilderung des Konsuls Wanner ist das Ausland-Museum gleichsam von selbst geworden. Es hat sich, ich möchte sagen, pflanzengleich entwickelt. Aus dem Verein für Handelsgeographie ist es herausgewachsen. Diese Schilderung ist durchaus unrichtig. Das Ausland- Museum ist nicht ein Ergebnis unpersönlicher Kraft. Es ist nicht geworden, sondern es ist gemacht. Was wir vor uns sehen, ist eine Tat und zwar eine höchst persönliche Tat. Wenn auch manche mitgewirkt haben, so ragt doch der Anteil eines Einzelnen so überwältigend hervor, dass wir das Museum mit Fug und Recht als seine Schöpfung bezeichnen können. Wenn der Verein für Handelsgeographie sich als nomineller Vater bezeichnen kann, so ist doch auch der wirkliche Vater, der Urheber vorhanden und anwesend. Dieser Vater des Gedankens und Vater des Werkes, das ist der Konsul Wanner selbst. Er hat in seinem Berichte sich selbst verleugnet und muss sich jetzt gefallen lassen, dass wir den Schleier lüften und seine Urheberschaft feststellen.
Diese Feststellung wird freilich Niemanden überraschen, der die Entwicklung der gemeinnützigen Organisationen unseres Landes in dem letzten Jahrzehnt verfolgt hat. Wenn wir ihrer Entstehung nachspüren. dann begegnet uns immer wieder der Name Wanner Die stolzen Räume des Linden-Museums. in denen wir heute tagten, sie danken ihre Entstehung der Tätigkeit Wanners Und gleiches gilt von einer Reihe anderer Institute, die dem Gemeinwohl dienen. Immer wieder hat Wanner eingegriffen und überall hat er Erfolg gehabt. Wer diese Reihe von Erfolgen überblickt, möchte glauben, dass Konsul Wanner jene Wünschelrute besitzt, mit der sich die Phantasie derMenschheit so viel beschäftigt hat. Die Wünschelrute des Konsuls Wanner ist treilich eigener Art Sie vermag mehr, als die Wünschelrute der Sage, denn sie schafft nicht nur verborgene Schätze materieller Art an das Tageslicht, sondern sie gewinnt auch die geeigneten Personen und die geeigneten Formen für die Erreichung der gesteckten Ziele Sie hat