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Gründungs-Versammlung des Deutschen Ausland-Museums Stuttgart : Museum und Institut zur Kunde des Auslanddeutschtums und zur Förderung deutscher Interessen im Ausland ; 10. Jan. 1917
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so der Krieg in dem Museum ein Friedenswerk in besonderem Sinn geboren hülle, dürfen wir alle stolz sein.

Möge das Museum sich glücklich entwickeln und ein Segen sein für die Stadt Stuttgart, das deutsche Volk und Reich, für das Ausland­deutschtum und unsere Beziehungen zu den andern Völkern.

Wirklicher Geheimer Rat v. Reichenau

Kaiserl. Gesandter z. D.

Vorsitzender des Vereins für das Deutschtum im Ausland. Berlin.

Zu dem heutigen Geburtstage des TJeutschen Ausland -Museums in Stuttgart überbringe ich die besten Grüsse und Wünsche des Vereins tür das Deutschtum im Ausland, der schon seit über 40 Jahren das Deutschtum ausserhalb des Reiches erlolgreich schützt und fördert und zur Zeit aut rund 60000 Mitglieder angewachsen ist. Wir hoffen, in dem neuen Unternehmen einen willkommenen wertvollen Bundesgenossen zu finden, bringen als Taufgabe die Fürsorge tür die Einrichtung und Erhaltung der Schul- und der Presse-Abteilung in dem neuen Museum und vertrauen, dass uns gegenseitige treue, feldgraue Kameradschaft und Arbeitsgemeinsdiaft verbinden wird.

Diese tatkräftige, einträchtige Arbeit zu Gunsten unseres Ausland­deutschtums tut bitter not, denn betrübend und beschämend zugleich ist noch immer die weitverbreitete Unwissenheit und Gleichgiltigkeit bei den Deutschen innerhalb des Reichs gegenüber allem, was die Stammes­genossen ausserhalb desselben angeht. Fremder Völker Sitte und Art. Entwicklung und Leistungen verfolgen und erlernen wir mitFleiss und heissem Bemühen, aber die Geschichte und die Geschicke, die Leiden und 1 aten unserer Stammesbrüder ausserhalb der Reichsgrenzen blieben und bleiben uns so gut wie fremd ; kaum, dass wir von der räumlichen Verbreitung der Deutschen über den ganzen Erdball eine blasse Vor­stellung haben. Und doch handelt es sich dabei um nicht weniger als rund 30 Millionen Menschen, d. h. um ein volles Drittel des gesamten deutschen Volkstums: Das ist nicht nur eine Versündigung gegen unser völkisches Gewissen, unsere völkische Pflicht, schwerer und schädlicher als der alte deutsche Erbfehler der Fremdentümelei. das ist auch eine echt deutsche unpolitische Verkennung der Bedeutung, die die Ausbreitung der Sprache und der geistigen Kultur für die politische und wirtschaftliche Macht eines Volkes besitzt.