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Während des Krieges in Deutsch-Ostafrika und Südafrika : meine Erlebnisse bei Ausbruch des Krieges in Deutsch-Ostafrika, im englischen Gefangenenlager in Südafrika und auf der Rückreise nach Europa ; mit 2 Karten und 9 Abbildungen / von Prof. Dr. G. Gürich, Direktor des Mineralogisch-Geologischen Instituts zu Hamburg
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Mombassa.

Am 17. Juli kam wieder Land in Sicht. Es sind niedrige Hügel­reihen anscheinend mit Busch bewaldet; Palmengruppen ragen daraus hervor oder die halbkahlen Riesenstämme der mit Eichen vergleichbaren Affenbrotbäume und dunkelgrüne prachtvolle Laubkronen der Mango. Lebhaft wurde ich an meine ersten Erinnerungsbilder von dem afrika­nischen Kontinent gemahnt; es war im Jahre 1885, als ich am Grünen Vorgebirge die ersten Affenbrotbäume sah. Im engen Fahrwasser fuhren wir hinein in den Hafen von Mombassa oder eigentlich von Kilindini. Zum ersten Male sah ich hier das eigentümliche junge kalkige Gestein, das in horizontalen Bänken anstehend von der Brandung benagt wird; geschwärzt erschien seine Oberfläche und an vielen Stellen erkennt man eine auffällig deutlich ausgebildete Brandungshohlkehle. Nach einem, wie mir gesagt wurde für die Jahreszeit ungewöhnlich hart­näckigen Regenschauer entwickelte sich ein schönes buntes Hafenbild. Vor uns lagEmir, ein Hamburger Frachtdampfer undCommodore, ein Bombaydampfer. Wir gingen nahe bei der Ausgangsstation der Ugandabahn vor Anker. Auf einer Trolly, einer kleinen für den Tran­sport einiger weniger Personen ausreichenden Art von Straßenbahn­wagen, gestoßen von Negerburschen, gelangten wir nach der Stadt. Auf engen winkligen Straßen zwischen den hohen arabischen Häusern gingen wir durch das Geschäftsviertel zu Herrn Roter, dem Vertreter der Firma H a n s i n g, der zugleich Agent der Ostafrika-Linie ist. In seinem Hause fanden wir gastliche Aufnahme, und auf einem kurzen Spaziergange zeigte er uns den Ort und seine nähere Umgebung. Eine erfrischende Brise wehte vom Meere herüber. Landschaftlich sehr schön wirkende Baumgruppen boten überraschende Bilder. An den Strandfelsen fesselten große Muscheln oder vereinzelte Korallenknollen, eingeschlossen in den Bänken der jugendlichen Kalke, meine Aufmerk­samkeit. Mit Neugier besichtigte ich das alte portugiesische Fort mit seinen starken Mauern und weiter abgelegene halb verfallene Bastionen; unser ortskundiger Führer brachte uns zu dem Eingänge eines unter­irdischen Ganges, der zu den Festungsanlagen gehörte. Im englischen Klub wurde uns keine eigentliche Erfrischung zuteil, denn die Getränke waren nicht gekühlt; der indische Inhaber der Eisfabrik hatte aus irgend einem Grunde gestreikt und wollte sich durch Hintanhaltung der Eis­gewinnung die englischen Behörden gefügiger machen, wie man uns erzählte. Unter den verschiedenartigen Gästen des Klubs herrschte eine ungezwungene heitere Unterhaltung, ich wurde nichts gewahr von Andeutungen einer feindlichen Stimmung oder gar Kriegsgefahr. Auch der nächste Tag sah uns noch in Mombassa; gern nutzte ich die Ge­legenheit aus die Aufschlüsse der jugendlichen Kalke quartären Alters neben dem Stationsgebäude der Bahn zu besichtigen. Eine Schicht mit sehr großen Austern erregte besonders meine Aufmerksamkeit.