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Erde gefolgerten Schollenbewegungen der Erdkruste mit größerer Sicherheit nachzuweisen; sie würden uns gestatten die Entstehung der so viel besprochenen innerafrikanischen „Gräben“, die Hebungen und Senkungen, die zu der Herausarbeitung der jetzigen Oberflächenformen Afrikas führten, zeitlich näher festzulegen. In gleicher Weise würde man mit einer Sicherheit, wie sie nur in wenigen Teilen der Erde möglich ist, die Veränderungen der Tiergesellschaften in jener Gegend feststellen, die Reihenfolge der klimatischen Aenderungen in den jüngsten Zeitläuften der Erdgeschichte nachweisen können. Mit dem Menschenfunde hat es noch eine besondere Bewandtnis; ist Recks Annahme richtig, dann liegt hier wahrscheinlich der älteste bekannte Menschenrest vor; an sich ist ein solcher Fund irgend wo und wann zu erwarten. Im Anschlüsse an Recks Vortrag regten sich Bedenken aller Art. Die Tierkadaver waren vor der Einbettung in jene Tuffschichten schon zerrissen, so daß die Knochen zumeist vereinzelt zerstreut waren. Im Gegensätze dazu fand sich das Menschenskelett in einer bemerkenswerten Art der Lage, die man nach vorgeschichtlichen Gräberfunden als Hockerstellung bezeichnet. Auch viele eingeborene Stämme des östlichen Afrika beerdigen ihre Leichen in dieser Stellung, also mit angezogenen Knien und Ellenbogen, eingehüllt in Felle oder eingeschnürt. Der Gedanke liegt sehr nahe, daß dasselbe auch mit dem vorliegenden Skelette in der Olduwaischlucht ausgeführt worden ist. Es war also von allerhöchster Wichtigkeit festzustellen, ob die Recksche Auffassung von dem Alter des Skelettes begründet ist oder ob es sich um eine Beerdigung handelt, die in jüngster Zeit, mag diese nun nach Jahrhunderten oder einigen Jahrtausenden zählen, erfolgt ist.
Es handelt sich demnach um Fragen von größter wissenschaftlicher Bedeutung, deren Klärung auf einem verhältnismäßig geringen Raume in einem klimatisch günstig gelegenen Gebiete Afrikas durchgeführt werden konnte. Ich entschloß mich schnell, dieser Aufgabe näherzutreten. Eile tat not. Die trockne Jahreszeit konnte ausgenutzt werden. Ich fand in Hamburg williges Gehör und in einer Sitzung vom 12. Juni bewilligte mir die Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung die für die Reise nötigen Mittel.
Ausreise.
Am 21. Juni 1914 verließ ich Hamburg. Zunächst ging ich nach München, um hier den ersten Fund von Kattwinkel, jenen schon erwähnten Fußwurzelknochen von Hippotherium zu besichtigen; Freund B r o i 1 i suchte diesen aus den reichen Wirbeltierschätzen der Münchner Sammlung heraus. Gleichzeitig benutzte ich die Gelegenheit um Erfahrungen und Gedanken über die Geologie von Afrika mit Herrn S t r o -