Druckschrift 
Während des Krieges in Deutsch-Ostafrika und Südafrika : meine Erlebnisse bei Ausbruch des Krieges in Deutsch-Ostafrika, im englischen Gefangenenlager in Südafrika und auf der Rückreise nach Europa ; mit 2 Karten und 9 Abbildungen / von Prof. Dr. G. Gürich, Direktor des Mineralogisch-Geologischen Instituts zu Hamburg
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Veranlassung zur Reise nach Ostafrika.

Anfang 1914 hielt Dr. Reck, der damalige Assistent am Geologisch- Paläontologischen Institute der Universität in Berlin einige Vorträge, in denen er von seinen neuesten Funden in Ostafrika berichtete. Zu­nächst war er hinausgezogen um die Saurierausgrabungen am Tendaguru abschließen zu helfen, dann hatte er das geologische Profil längs der Mittellandbahn von Daressalam nach dem Tanganyikasee aufgenommen. Schließlich ging er nach dem Norden, wo er einen neu entdeckten Fundpunkt fossiler Säugetierknochen aufsuchte. In dem Gebiete etwa mitten zwischen Kilimandjaro und Victoriasee, in der Olduwai- schlucht, am Rande der Serengetisteppe*) hatte Reck die Arbeit auf­genommen, angeregt durch einen Fund von Professor Kattwinkel in München, der in dieser Gegend gejagt hatte; dieser hatte dabei den unverkennbaren Fußwurzelknochen eines dreizehigen Pferdes gefunden, eines Hippotheriums, wie es ähnlich etwa im jüngsten Tertiär von Pikermi und anderen Fundpunkten bekannt ist. Reck war es 1913 geglückt dort eine reiche Säugetierfauna in vulkanischen Tuffen nach­zuweisen; darüber sprach er in Berlin. Die Fauna hat anscheinend einen geologisch jugendlichen Anstrich, aber gewisse Elefantenreste und jener Mittelfußknochen wiesen auf jüngstes Tertiär. Dazu kam noch ein weiterer höchst bemerkenswerter Fund Recks; er hatte in derselben Schlucht ein Menschenskelett ausgegraben, von dem er meinte, daß es gleichzeitig mit den zerstreuten Knochen jener zum Teil ausgestorbenen Tierarten in die Tuffe gelangt wäre. Diesem Funde wurde die größte Bedeutung zugeschrieben, Bilder davon gingen durch zahlreiche deutsche und selbst ausländische Zeitungen. Ich hörte in Berlin Recks Vorträge, aber auch die daran sich anschließenden Erörterungen; ich sah seine Originale, seine Photos und Kartenskizzen. Das ganze Vorkommen fesselte meine Aufmerksamkeit in höchstem Maße. Die jugendlichen vulkanischen Ablagerungen, reich an tierischen Resten würden uns in den Stand setzen, die bisher vorwiegend aus der Oberflächengestalt der

*) Eine zweite Steppe gleichen Namens liegt im Grenzgebiete östlich vom Kilimandjaro.

G ü r i c h, Deutsch-Ostafrika.

1