Ernst Jäckh schreibt in „Der aufsteigende Halbmond", 5. Aufl., 5. 158: Der deutsche General Freiherr von der Goltz Pascha, der deutsche Ingenieur Meißner Pascha und der deutsche Generalingenieur Graf Zeppelin — in dieser Dreieinigkeit verkörpert sich der Charakter der deutschen Kulturentwicklung für die Türkei. Auch heute folgte der deutsche Drang drüben den Spuren Barbarossas, über Koma und über den Taurus; hinunter ins heilige Land und hinüber ins ferne Bagdad- aber friedfertiger und erfolgreicher: durch die Methode des Instrukteurs, des Ingenieurs und des Kaufmanns, in der Organisation der Militärverwaltung, auf den Schienen der Lokomotive und in den Drähten der Elektrizität.
Grothe, „von Konstantinopel ins Herz Kleinasiens, eine Fahrt auf deutscher Eisenbahn". Goltz, „Anatolische Ausflüge". Iäckch, „Der aufsteigende Halbmond".
9. Deutsche Ziedelungen in Palästina.
Um zu verstehen, weshalb die 2200 Deutschen, meist Schwaben, gerade nach jenen Gegenden ausgewandert sind, will ich nur wenige aufklärende Worte hierüber einflechten.
Die Templer, die die Gründer dieser Siedlungen sind, bilden eine religiöse. Sekte und wollten ursprünglich den Tempel wieder errichten.
Die Urkunde über die Gründung des „Deutschen Tempels" besagt dies, und daraufhin entschloß sich eine Unzahl Männer nebst Familien in das gelobte Land, und zwar nach Jerusalem auszuwandern. Es kam aber anders, denn die ersten Familien landeten im Jahre 1868 in Haifa und siedelten sich am Fuße des Karmels an. Andere Siedler landeten in Jaffa und erwarben für billiges Geld eine verlassene amerikanische Siedlung. Nach und nach entwickelte sich dann ein immer regeres Leben, und heute bestehen und blühen die Kolonien: Haifa, daran angegliedert Um el Amed und Bet-lahm, Jaffa, Sarona, wilhelma und Bet-Lahm bei Jerusalem.
Im Laufe der Jahre trat aber das religiöse Motiv mehr zugunsten des Deutschtums in den Hintergrund, da nicht allein ehemalige Templer wieder zur rein protestantisch-evangelischen Kirche zurücktraten, sondern auch Evangelische aus dem Mutterlande zuwanderten und die Deutschen dort draußen gelernt haben, daß es gilt: „Zusammenzuhalten", wenn nicht das eingeborene Element Herr über sie werden soll.
Geschützt wurden diese Deutschen einmal durch die mit der Türkei abgeschlossenen Kapitulationen und die zahlreichen Berufs- und Wahlkonsulale und durch sich selbst! Denn da gilt es: Seinen ganzen Mann zu stehen.
Die älteste und heute auch größte Kolonie ist Haifa, die, wie schon gesagt, 1868 gegründet wurde. Haifa am Golf von Akka, dem alten Accon der Kreuzfahrer, gelegen, war damals ein dahinvegetierendes Araberstädtchen, und wenn es heute eine Handelsstadt mit mehr als 20 000 Einwohnern ist, so ist dies in erster und man kann, ohne zu übertreiben, sagen einzigster Linie den rührigen deutschen Siedlern zu danken.
Ich will hier die Eindrücke so niederschreiben, wie mir Land und Leute dort aufgestoßen sind. Das Araber- und Türkenviertel durchführen wir, um dann zu frühester Morgenstunde dem Direktor der Hedschasbahn, dem Deutschen Herrn Diekmann, einen Besuch abzustatten. Bei Kaffee und Zigaretten lauschten wir unsere Ansichten aus, um darauf die Bahn einer eingehenden Besichtigung