Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1916) Österreich-Ungarn, Balkan, Orient
Entstehung
Seite
108
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3. 5lus deutschem Hause, deutscher Schule und deutscher Geselligkeit in Rumäniens Hauptstadt.

wenn wir in dem Fabrikgrundstück in der Vorstadt deutschen Besuch be­kamen, da atmete dieser gewöhnlich erleichtert auf, denn der weite weg in die Vorstadt hinaus war nicht gerade genußreich. Selbst wenn jemand im wagen herauskam und die Bukarester wagen mit den flotten Pferden, geleitet von den russischen Rutschern in langem, schwarzen Samtmantel, der von einer bunten Schärpe umgürtet ist, fahren vorzüglich, selbst dann war man froh, die Dünste und den Staub der ärmlichen Vorstadt einmal hinter sich zu haben. Ganz anders aber gestaltete sich die Reise nach der Fabrik für einen Minderbemittelten, der die Straßenbahn benutzen mußte: Pferdebahn, im Sommer die allgemein beliebten offenen, im Winter greuliche geschlossene wagen, in denen es besonders in der langen Fastenzeit vor Ostern wegen des Rnoblauchdunstes und anderer lieblichen Gerüche kaum auszuhalten war. Und Geduld mußte man haben. Zwar liefen die Pferde schnell, aber wer aus dem viertel kam, in dem die evangelische Kirche und die Schule lagen, mußte den Theaterhügel mit in Rauf nehmen, eine der wenigen Erhebungen in der sonst ganz ebenen Stadt. Da gab's Vorspann, und in rasendem Galopp mußte es denBerg" hinauf gehen kein Wunder, daß da manch pferdchen stürzte.

Da es auf der ganzen Strecke nur wenige festbestimmte Haltestellen gab, hielt der Führer für jeden einzelnen an, der ihm winkte. Dann wieder wartete man endlos an einer weiche, und stieg man am Endpunkt aus, dehnte sich noch i/i Stunde sehr staubiger Landstraße vor einem, wer nicht schon länger ortsansässig war, konnte sich ja an den buntesten, lustigsten Bildern rumäni­schen Volkslebens erfreuen, aber den von zu grellem Sonnenlicht geblendeten Rügen tat dann doch der Schatten der weidenallee recht wohl, die zur Seifen­fabrik, die etwas abseits der Straße lag, hinführte.Line Gase"eine stille grüne Insel" nannten die meisten das, was nun kam. Deutscher Fleiß und deutsche Ordnungsliebe hatten es in wenigen Jahren aus dem öden Stück Land, das es erst war, dazu gemacht. In diesem kleinen, grünen Paradies durfte ich meine Kindheit verleben, von deutschen Eltern erzogen auf einem Stück deutschen Landes mitten in der Fremde. Rumänisch sprechen lernten wir Rinder erst in der Schule, und auch da nur sehr langsam und nie vollständig geläufig. Das lag wohl daran, daß wir keine rumänischen Dienstboten zu Hause hatten eine treue Lrzgebirgerin war 17 Jahre lang bei uns und daß die Litern keinerlei Verkehr mit rumänischen Familien pflegten. Sie wurden darob in der Stadt von manchen gleichgestellten Volksgenossen wohl etwas verwundert angesehen, aber es ist ihnen nur dadurch gelungen, die Familie vor fremder Beeinflussung, die in diesem Falle nur verflachend sein konnte, zu bewahren. Ls mag besonders starke Naturen geben, die sich durch nichts von ihrem volkstum abbringen lassen, aber unter den Deutschen sind sie selten, und wo Rinder im Hause sind, wiegt fremde Sitte und fremdes Tun doppelt schwer, und ich bin unendlich dankbar, daß sie von uns ferngehalten worden sind. Rn manchen Bekannten haben wir's beobachtet, wie das Fremde immer mehr und mehr bei ihnen Einlaß fand. Zunächst ändert es äußere Gebräuche man macht rumänische Ostersitten mit oder richtet andere Familienfeste mit fremdem Beigeschmack aus Rinder bekommen rumänische