Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1916) Österreich-Ungarn, Balkan, Orient
Entstehung
Seite
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Anstrich scheint er uns aus einem Lande jenseits der Alpen hier in den Osten hin versetzt. - ' ^ " i

Fremdartig ist auch das freilich nicht bedeutende Leben auf den Straßen. Neben den deutschen Einwohnern in der Kleidung des Westens sehen wir zahl­reiche Liptauer Slowaken als Arbeiter oder zum Markte ziehende Käufer und Händler. Auf den Köpfen tragen sie Pelzmützen, runde oder kantige Filz­hüte mit aufgekrempten Rändern. Den Oberkörper bekleidet eine hellblaue Jacke mit bunten Schnüren und blanken Messingknöpfen. Ein übergeworfener, weißer wollmantel vollendet den Anzug. Die meisten dieser Slowaken tragen Kanonenstiefel, viele gehen aber auch barfuß. Außerdem treibt sich vielfach zerlumptes und bunt gekleidetes Zigeunervolk, das auf der Wanderung be­griffen ist, im Orte umher.

Karl Kollbach,Wanderungen durch die deutschen Gebirge", 2. Bd.

18 . Also, glückliche Meise!

Friedrich Naumann schreibt inMitteleuropa": Ich denke an die ersten Jahre nach dem Krieg, wohin soll dann gereist werden? Die meisten romani­schen Gebiete sind zunächst so gut wie verschlossen, wandert, ihr Wandervogel, in die Karpathen, nehmt die Mandoline mit, laßt euch in den Waldstädten die Zigeuner etwas vorspielen! Klettert, ihr Bergsteiger, nicht nur wie bisher in Tirol und Dolomiten, sondern auch weiter östlich bis nach Steiermark und zum Karst und badet euch dann im breiten, sonnigen Plattensee! Fahrt, ihr Kunstsucher, in die schönen, geheimen Winkel, zu den Schlössern und Kirchen, zu den traulichen Stadtbauten, beseht euch Prag mit seinen Merkwürdig­keiten, Krakau mit seinen Altertümern, Graz, das schöne und stolze! Es gibt dort überall sowohl Gotik wie Barock und manches treffliche, moderne Gebilde. Setzt euch in Passau auf die Donau und laßt euch bis zur Kaiserstadt tragen und dann wieder nach Gran und zur glänzenden Burg und Stadt von Ofen und Pest! Besucht aus völkischem Interesse die Versprengten in der Zips oder in Siebenbürgen oder bei Stuhlweißenburg. Sagt, ihr Besitzer von Auto­mobilen, eurem Chauffeur, daß die Kaiserstraßen glänzende Linien sind, und versucht, ihr Jäger und Reiter, ob nicht gerade für euch die Beskiden oder Bosnien noch Freuden bergen, die sich im allzu zivilisierten Westen nicht finden. Beseht euch, ihr geheilten Krieger, die Schlachtfelder des größten Gebirgs- kampfes der Weltgeschichte! wenn jährlich ein hunderttausend Reichsdeutscher mehr als bisher ins treue Nachbarland rollen, so wird das bei allem Ver­gnügen, das es bringt, auch politisch sehr wertvoll seilt, denn dort sind die Menschen noch offener als in den alten, verwöhnten Fremdenländern. Ich erinnere mich, indem ich schreibe, an manche herrliche Stunde vom polnischen Kamm in der Tatra bis nach Dalmatien hin. wie leuchtete der Abend bei der Donaufahrt nach Budapest! Und wie volkstümlich echt war der Tanz oben auf der Koralp in Steiermark! Also, glückliche Reise!