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14. Im Geburtsorte Lenaus.
Ehe ich meine Heimat wieder verließ, wollte ich noch eine denkwürdige deutsche Kulturstätte betreten, von deren Zugehörigkeit zu meiner engeren Heimat ich erst in der Fremde erfahren hatte. Und ich pilgerte von Temesvar über hatzfeld nach Lsatad, dem Geburtsorte Nikolaus Lenaus.
Dieser gehört trotz seiner geringen Wohlhabenheit zu den besteingerichtetsten und gebildetsten des Banats. Lr besitzt eine eigene Apotheke und einen Gemeindearzt, und seine 564 Schulkinder sind in vier Klassen unter vier Lehrern verteilt. Bei solch günstigen Verhältnissen muß der Unterricht Früchte tragen, und ich selbst habe mich davon überzeugt, daß dies der Fall ist. Die vier Lehrer scheinen sämtlich (was in Ungarn etwas heißen will) modern gebildete Männer zu sein — trotzdem können sie nur wenig oder gar nicht magyarisch. Einer dieser Lehrer wohnt im Geburtszimmer Lenaus, das lange Jahre hindurch von der staatlichen Behörde als Getreidemagazin benützt wurde, und ich habe diesem Manne, der Lenaus Andenken in Ehren hält und die Bedeutung des Dichters zu ahnen scheint, durch den verstorbenen Pfarrer Lenaus sämtliche Schriften, die ihm fehlten, überreichen lassen. So ist denn in dem Raum, den bis dahin bloß eine verblaßte Photographie Lenaus schmückte, auch sein Geist eingekehrt.
Das Verhältnis Nikolaus Lenaus zu diesem deutschen Marktflecken des Banats ist ganz merkwürdig. Sein Vater, ein etwas leichtsinniger, adliger Beamter Namens Niembsch von Strehlenau, wurde im Jahre l80l von Lippa, wo er kameralherrschaftlicher Amtsschreiber war, in der Eigenschaft eines Kameralsekretärs nach Lsatad versetzt, wo seine Frau ihm am lZ. August 1802 als drittes Kind ihrer Ehe einen Sohn gebar, der in der Laufe Nikolaus Franz genannt wurde: Franz nach dem Vater, Nikolaus nach dem Paten Nikolaus hell, dem damaligen königlichen Rentmeister von Lsatad. Der Knabe war kaum ein Jahr alt, als seine Eltern von Lsatad nach Bogschan übersiedeln mußten, und meines Wissens ist Lenau nie wieder an seinen Geburtsort gekommen. Nikolaus Lenau wurde in Lsatad also bloß geboren, das ist alles. Aber er wurde unter unsäglichen Schmerzen hier geboren von einem schönen jungen Weibe, das sich von einem leichtsinnigen, gewissenlosen Gatten, den es über alles liebte, verraten und oft wochenlang verlassen sah um schamloser Dirnen willen, bei denen er seine Tage und Nächte im nahen Temesvar verbrachte — und das Erbe seiner Frau am Spieltische und in einem ausschweifenden Lebenswandel vergeudete. Es waren für die unglückliche, junge Frau Wochen, Monate voll Lsual und Angst, voll Kummer und schmerzlicher Aufregungen, die der Geburt ihres Sohnes vorangingen- sie lernte in dieser Zeit ihren Gatten so tief verachten, daß sie es später nie über sich vermochte, ihren Sohn bei dem Namen zu nennen, den er von seinem Vater hatte, und Lenau selbst verschweigt der Literaturgeschichte seinen Namen Franz, er nennt sich bloß Nikolaus. Wir glauben heute fest daran, ja wir wissen es, daß die Leidensgeschichte seiner Mutter den verhängnisvollsten Einfluß ausgeübt hat auf das Kind, das sie unter dem herzen trug, das schuldlose Kind, das einer der edelsten und unglücklichsten deutschen Dichter werden sollte. Und das Haus, das Zimmer, in welchem die überaus zartfühlend und empfindsam