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Spinnreih' hinter dem Ofen sitzen und politisieren, wissen sogar noch mehr. Sie haben entweder einen g'studierten Sohn oder lesen Zeitungen und verstehen den Weltlauf so gut wie der Notär oder der Stuhlrichter.
Adam Müller-Guttenbrunn, „Deutsche Kulturbilder aus Ungarn".
13. Die Vanater im Kampfe gegen Donau und Theiß.
„holla! Herr Inscheneer, holla!" rief es eines Tages, „wo seid Ihr denn? Kummt nar g'schwindt, der Lisstoß geht los drauße. Ei' Telegramm isch do far Luch!"
Es war die Stimme des Straubmichl, des Gemeindedieners.
Die Fenster klirrten von den Böllerschüssen, die auf dem Platze hinter der Kirche gelöst wurden.
Gergelp, der Ingenieur, fuhr gleich mit drei Männern die Hauptstraße hinaus in der Richtung nach dem großen Donaudamm. Und es folgte wagen um wagen, immer zu je sechs Mann besetzt. In warme pekesche gekleidet, die Pelzmützen auf dem Kopf, hohe, wasserdichte Röhrenstiefel an den Füßen, mit Schaufeln, Beilen und allen erdenklichen Werkzeugen und Geräten ausgerüstet, die Tsutora mit einem guten Schluck wein oder Raki an der Seite, so fuhren sie ernst und trotzig dahin, der Gefahr die Stirne zu bieten, die da möglicherweise drohte.
Man zählte in einer Stunde zwanzig wagen mit mehr als hundert Männern. Die wohlgenährten, ausgeruhten Pferde schnaubten die warme Stallluft aus den Rüstern und waren kaum zu zügeln, wie ein Rennen um hohe preise ging die Fahrt.
Und es war hoch an der Zeit.
Die Depesche, die angekommen war, hatte eine große Überraschung gebracht. Seit mehreren Tagen herrschte im Oberlauf der Donau warmes Tauwetter, und der Strom war von Passau bis Mohacs in Bewegung, während er hier noch stand. Die Lage war höchst seltsam und nicht ungefährlich, von Mohacs bis hinter den Kasanpaß, auf einer Strecke von 400 km, war die Donau noch zu, und von oben kam jetzt der ungeheure Druck.
Der Klugsbaltzer mit dem Vizerichter und seinen zwei Beisitzern waren unter den ersten, die dem wagen des Stromingenieurs folgten. Schon um des guten Beispiels willen mutzten sie voran.
Als sie das Dorf hinter sich hatten und auf der Komitatsstraße dahin- jagten, hörten sie plötzlich ein fernes Knattern und Schießen. Es wurde immer ärger, wie die Kanonade einer großen Schlacht mutete es sie an. Der Richter ließ den Wagen einen Augenblick anhalten, um besser horchen zu können.
Ia. das war der Strom. Seine Stimme erwachte wieder aus langer Gebundenheit. Aber sie war heiser geworden und rauh in diesem Winter.
Horch! Horch!
Die Männer sahen einander erschrocken an, und die Pferde bäumten sich auf.
Das war ja furchtbar! Als ob ein feuerspeiender Berg geborsten wäre. Lin ungeheurer Knall erschütterte die Luft. Und die Männer, die sich im wagen aufgerichtet hatten und nach der Richtung des Dammes starrten, sahen, wie eine graue Masse sich hoch in die Luft erhob und wieder in sich zusammen-
paldegel ». Ientzsch, Deutsches Schaffen und Ringen im Ausland, t. 7