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wähnten Bautrieb entspricht es, daß der besserstellende Bauer sich häufig mit der überkommenen Dreizahl der Zimmer nicht begnügt, sondern in gleicher Längsflucht immerfort anbaut. Das Merkwürdige ist dabei, daß er sich aus Wärmeökonomie und Geselligkeitsdrang doch immer mit der ganzen Familie in einem Raum zusammendrängt und die anderen überflüssig dastehen läßt. Sie sind ihm einfache Augenweide und — menschlich, allzu menschlich — sichtbare Zeugen seines erworbenen Reichtums.
Der Hofseite zu ist der Zimmerflucht eine offene Veranda vorgelagert, von wo der heraustretende den ganzen Hof und alle Wirtschaftsgebäude übersieht. Die Wirtschaftsgebäude schließen sich dem wohnhause in gleicher Längsflucht an- nur die große Scheune, in der die Tenne und die Vorratsräume für das Heu, Stroh usw. untergebracht sind, wird quer gestellt. Sie schließt den Hof vom Garten ab, der sich hinter ihr erstreckt, zuweilen hoch an der Berglehne hinaufklimmend. TNüller-Langenthal, Siebenbürgen.
7. Die „Austage" im Zachsendorf.
Die „Rustage", das heißt die Tage, wo man mit Pflug und Egge ausrückt, um das Feld zu bebauen, wo das Leben des Bauern sich wieder mehr draußen abspielt, nahen heran.
In den meisten siebenbürgisch-sächsischen Dörfern gilt noch heute die alte Nachbarschaftsordnung, welche das Leben der Gesamtheit und jedes einzelnen regelt. So beschließen auch jetzt die vier Nachbarschaften unter dem Vorsitz ihrer „Nachbarväter", des alten und jungen, wie sie in jeder der Nachbarschaften gewählt sind, auf welchem Feldgrund das pflügen zuerst begonnen, welche Wiesen zuerst von den Nlaulwurfshügeln geputzt werden sollen. Am darauffolgenden Abend verkündet der Abgesandte der Nachbarschaft, „Borger" genannt, diesen Beschluß im ganzen Dorfe, wenn die Abendglocken läuten, sieht man ihn, den dünnen Haselnußstab, das Zeichen seines Amtes, in der Hand, von Haus zu Haus wandern, an jedes Hoftor mit dem Stäbe klopfend, und hört seinen Ruf, kurz und befehlend: „Miertebatsch (Bruder Martin), morgen soll die wiese hinter dem Luftrain geputzt werden", oder: „morgen soll der wehr- dommig geackert werden!"
was das bedeutet, weiß jedes Rind im Dorfe. Da heißt es für jede Familie: in aller Herrgottsfrühe ausrücken mit Pflug und Egge oder mit hacke und Rorb, sonst bleibt man hinter den andern zurück, und das ist schlimm. So rücken in den von Hellem Sonnengold durchleuchteten „Austagen" Hunderte von pflügen und Wagen zugleich aus, wie eine unabsehbare Rette gleitet der Zug durch die Gassen dem Felde entgegen. Und draußen gleicht dieses Feld einem unendlichen, braungrünen Meere, solange bis die Arbeit Leben hineinbringt und Hunderte von Menschen hinter breitgehörnten Gchsen einherschreiten, ackernd und säend.
Rommt dann der Sonntag nach solcher Arbeitswoche, lacht die Sonne über den blankgefegten Gassen, so holt die Bäuerin drinnen in der Stube den Sonntagsstaat aus der blumigen Holztruhe und sieht freudigstolz, wie hübsch das heranwachsende Töchterchen, ihre liebe „Schee" (Anna) darin erscheint. Die zarte, weiße Tüllschürze, unter welcher die buntgeblümte rote oder blaue aus festem Stoff durchschimmert, die vielen Bänder, die vom Ropfe bis zum Rockende herabwallen und beim Gehen immer leise auf und nieder flattern, das