Als bester Ausgangshafen für die Südbahn kommt wohl nur der schon von den Schirazi vor mehr als neun Jahrhunderten in seinen großen Vorzügen erkannte Hafen von Kilwa-Kisiwani in Betracht, der der offenen Reede von Kilwa-Kiwindje gegenüber die Vorzüge einer breiten, von den größten Schiffen passierbaren Einfahrtsrinne und eines tiefen, geschützten Ankergrundes gewährt. Ähnlich dem gegenüber der Mombassa-lnsel gelegenen Ausgangspunkt der Ugandabahn würde auch hier die Ausgangsstation der Südbahn der auf der Kilwa-lnsel in vorteilhafter Lage erbauten Stadt gegenüber auf dem Festlande sein müssen.
Ferner wird von Lin di aus eine 40 —50 km lange Bahn ins unmittelbare Hinterland geführt zur Ermöglichung des Transports der Baumwolle und anderer Produkte von den im Lukuleditale angelegten Plantagen. Das kolonialwirtschaftliche Komitee hat zum beschleunigten Bau dieser Baumwollfeldbahn dem kaiserlichen Gouvernement die Summe von 50000 Mark überwiesen. Ende 1913 waren die Arbeiten an der Landungsstelle in Ming oyo beendet, und inzwischen ist bereits eine größere Strecke dieser Kleinbahn befahrbar. Die Bahn kommt neben den Europäer-Plantagen auch der Regierungs-Baumwollstation Mahiva zu gut. 1
IV. Arbeiter-und Rassenfrage.
Es ist aus den wenigen vorhin gegebenen vergleichenden Zusammenstellungen über den Handel unseres Gebietes ersichtlich, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse in erfreulicher Aufwärtsbewegung begriffen sind. Dieser Aufschwung ist ebenso sehr einem Mehrexport an Produkten der Eingeborenenwirtschaft, wie der europäischen Plantagenunternehmungen zu danken. Und es ist auch für die Zukunft zu hoffen, daß diese beiden Zweige der Landesproduktion sich ergänzend nebeneinander weiterentwickeln mögen und daß dabei beiden in gleicher Weise von seiten der maßgebenden behördlichen und anderweiten Körperschaften Berücksichtigung und Schutz zuteil wird. Es ist dabei zwar nicht zu verkennen, daß mit der Ausbreitung und Vergrößerung der Eingeborenenkulturen den europäischen Pflanzungen der Bezug billiger Arbeitskräfte noch mehr als bisher schon erschwert wird. Schon heute ist die Lage der Pflanzungsunternehmungen vielfach infolge Arbeitermangels äußerst schwierig. 2 Dabei genügt heute schon das Angebot der arbeitslustigen Eingeborenen
1 Verhandlungen der Baumwollbau-Kommission des kolonialwirtschaftlichen Komitees, 1913 Nr. 1, S. 8. Deutsches Kolonialblatt, 25, 1914, S. 109/110.
2 Lange, C. ).: Die Arbeiterfrage in den Kolonien. Deutsch-Ostafrika. Verhandlungendes Vorstandes des kolonialwirtschaftlidien Komitees. 1912. Nr. 1. S. 6ff. Betreffs der Arbeiterfrage siehe auch Verhandlungen des kolonialwirtschaftlichen Komitees, 1912, Nr. 1.