Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1915)
Entstehung
Seite
220
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Als bester Ausgangshafen für die Südbahn kommt wohl nur der schon von den Schirazi vor mehr als neun Jahrhunderten in seinen großen Vorzügen erkannte Hafen von Kilwa-Kisiwani in Betracht, der der offenen Reede von Kilwa-Kiwindje gegenüber die Vorzüge einer breiten, von den größten Schiffen passierbaren Einfahrtsrinne und eines tiefen, geschützten Anker­grundes gewährt. Ähnlich dem gegenüber der Mombassa-lnsel gelegenen Ausgangspunkt der Ugandabahn würde auch hier die Ausgangsstation der Südbahn der auf der Kilwa-lnsel in vorteilhafter Lage erbauten Stadt gegenüber auf dem Festlande sein müssen.

Ferner wird von Lin di aus eine 4050 km lange Bahn ins unmittelbare Hinterland geführt zur Ermöglichung des Transports der Baumwolle und anderer Produkte von den im Lukuleditale angelegten Plantagen. Das kolonialwirtschaftliche Komitee hat zum beschleunigten Bau dieser Baum­wollfeldbahn dem kaiserlichen Gouvernement die Summe von 50000 Mark überwiesen. Ende 1913 waren die Arbeiten an der Landungsstelle in Ming oyo beendet, und inzwischen ist bereits eine größere Strecke dieser Kleinbahn befahrbar. Die Bahn kommt neben den Europäer-Plantagen auch der Regierungs-Baumwollstation Mahiva zu gut. 1

IV. Arbeiter-und Rassenfrage.

Es ist aus den wenigen vorhin gegebenen vergleichenden Zusammen­stellungen über den Handel unseres Gebietes ersichtlich, daß die wirt­schaftlichen Verhältnisse in erfreulicher Aufwärtsbewegung begriffen sind. Dieser Aufschwung ist ebenso sehr einem Mehrexport an Produkten der Eingeborenenwirtschaft, wie der europäischen Plantagenunternehmungen zu danken. Und es ist auch für die Zukunft zu hoffen, daß diese beiden Zweige der Landesproduktion sich ergänzend nebeneinander weiter­entwickeln mögen und daß dabei beiden in gleicher Weise von seiten der maßgebenden behördlichen und anderweiten Körperschaften Berück­sichtigung und Schutz zuteil wird. Es ist dabei zwar nicht zu verkennen, daß mit der Ausbreitung und Vergrößerung der Eingeborenenkulturen den europäischen Pflanzungen der Bezug billiger Arbeitskräfte noch mehr als bisher schon erschwert wird. Schon heute ist die Lage der Pflanzungs­unternehmungen vielfach infolge Arbeitermangels äußerst schwierig. 2 Dabei genügt heute schon das Angebot der arbeitslustigen Eingeborenen

1 Verhandlungen der Baumwollbau-Kommission des kolonialwirtschaftlichen Komitees, 1913 Nr. 1, S. 8. Deutsches Kolonialblatt, 25, 1914, S. 109/110.

2 Lange, C. ).: Die Arbeiterfrage in den Kolonien. Deutsch-Ostafrika. Verhandlungendes Vorstandes des kolonialwirtschaftlidien Komitees. 1912. Nr. 1. S. 6ff. Betreffs der Arbeiterfrage siehe auch Verhandlungen des kolonialwirtschaftlichen Komitees, 1912, Nr. 1.