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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
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317
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Auch für die Kolonialpolitik und Kolonialanschauung ergeben sich aus dem Gesagten weittragende Konsequenzen. Wir haben gezeigt, wie einerseits die Mis­sion der Kolonialpolitik, andererseits die Kolonialpolitik der Mission sehr viel ver­dankt, wie beide sich daher gegenseitig unterstützen können und sollen. Auch in politischer und nationaler Hinsicht leistet die Mission dem Staate wertvolle und unersetzliche Dienste; denn obschon sie an sich ein internationales, für alle Völker in gleicher Weise bestimmtes und verpflichtetes Unternehmen ist, so darf sie doch innerhalb des vaterländischen Rahmens auch patriotisch auf die Eingeborenen ein­wirken und sie zur inneren Unterwürfigkeit anhalten. Daher auch jene Vertrauens­stellung, die den Missionar so ausgezeichnet zum Vermittler zwischen Regierung und Untertanen befähigt und oft schon manches Unheil von beiden Teilen ab­gewandt hat. Namentlich die geistigen und materiellen Wohltaten, die unsere Schutzgebiete den Missionaren verdanken, verdienen es, daß unsere Kolonialpolitik den christlichen Missionsbestrebungen und Missionsunternehmungen schützend und wohlwollend gegenüberstehe, daß sie ihnen nicht bloß die durch das Schutzgebiets­gesetz verbürgte Missionsfreiheit gewähre, sondern auch mit Rat und Tat zur Seite stehe, daß sie ihnen sür die kulturellen Leistungen gewisse Vergünstigungen und Entschädigungen zuwende und auch ihr Bekehrungswerk indirekt fördere. Dies gilt besonders für das Schulwesen und die Behandlung der nichtchristlichen Religionen,, obschon wir damit keinem Druck zu gunsten des Bekehrungswerkes das Wort reden wollen. In die konfessionellen Verschiedenheiten und Streitigkeiten sich einzu­mischen, hat die Regierung keine Veranlassung uud auch kein Recht; jedenfalls steht es ihr nach dem Schutzgebietsgesetz nicht zu, einseitig und eigenmächtig die ver­schiedenen Konfessionsgebiete territorial abzugrenzen und festzulegen. Möge in all diesen Punkten beiderseits ausrichtige und innige Harmonie, soweit es die Grund­sätze zulassen, die Losung der Zukunft sein!

Literatur.

Die wichtigsten allgemeinen Werke: Paul, Die Mission in unseren Kolonien. Dresden 18981908. P. Nohrüach, Deutsche Äoloiüalwirtschaft. Kulturpolitische Grundsätze zu Nasseu-

und Missionsfmgen. Berlin 1909. Haußleiter, Die evangelischen Missionen in den deutschen Schutzgebieten 1910. Mirbt, Mission und Kolonialpolitik. Tübingen 1910.

I. Schmidlin, Die katholischen Missionen in den deutschen Schutzgebieten. Münster 1913.