Auch für die Kolonialpolitik und Kolonialanschauung ergeben sich aus dem Gesagten weittragende Konsequenzen. Wir haben gezeigt, wie einerseits die Mission der Kolonialpolitik, andererseits die Kolonialpolitik der Mission sehr viel verdankt, wie beide sich daher gegenseitig unterstützen können und sollen. Auch in politischer und nationaler Hinsicht leistet die Mission dem Staate wertvolle und unersetzliche Dienste; denn obschon sie an sich ein internationales, für alle Völker in gleicher Weise bestimmtes und verpflichtetes Unternehmen ist, so darf sie doch innerhalb des vaterländischen Rahmens auch patriotisch auf die Eingeborenen einwirken und sie zur inneren Unterwürfigkeit anhalten. Daher auch jene Vertrauensstellung, die den Missionar so ausgezeichnet zum Vermittler zwischen Regierung und Untertanen befähigt und oft schon manches Unheil von beiden Teilen abgewandt hat. Namentlich die geistigen und materiellen Wohltaten, die unsere Schutzgebiete den Missionaren verdanken, verdienen es, daß unsere Kolonialpolitik den christlichen Missionsbestrebungen und Missionsunternehmungen schützend und wohlwollend gegenüberstehe, daß sie ihnen nicht bloß die durch das Schutzgebietsgesetz verbürgte Missionsfreiheit gewähre, sondern auch mit Rat und Tat zur Seite stehe, daß sie ihnen sür die kulturellen Leistungen gewisse Vergünstigungen und Entschädigungen zuwende und auch ihr Bekehrungswerk indirekt fördere. Dies gilt besonders für das Schulwesen und die Behandlung der nichtchristlichen Religionen,, obschon wir damit keinem Druck zu gunsten des Bekehrungswerkes das Wort reden wollen. In die konfessionellen Verschiedenheiten und Streitigkeiten sich einzumischen, hat die Regierung keine Veranlassung uud auch kein Recht; jedenfalls steht es ihr nach dem Schutzgebietsgesetz nicht zu, einseitig und eigenmächtig die verschiedenen Konfessionsgebiete territorial abzugrenzen und festzulegen. Möge in all diesen Punkten beiderseits ausrichtige und innige Harmonie, soweit es die Grundsätze zulassen, die Losung der Zukunft sein!
Literatur.
Die wichtigsten allgemeinen Werke: Paul, Die Mission in unseren Kolonien. Dresden 1898—1908. P. Nohrüach, Deutsche Äoloiüalwirtschaft. Kulturpolitische Grundsätze zu Nasseu-
und Missionsfmgen. Berlin 1909. Haußleiter, Die evangelischen Missionen in den deutschen Schutzgebieten 1910. Mirbt, Mission und Kolonialpolitik. Tübingen 1910.
I. Schmidlin, Die katholischen Missionen in den deutschen Schutzgebieten. Münster 1913.