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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
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gewissen Ansatz zur Verwirklichung des Organisationsziels stellt das System von Katechisten, Lehrern und Helfern dar, die sich um den weißen Missionar grup­pieren. Einen lehrreichen Einblick bietet hierüber der letzte Jahresbericht der Norddeutschen Togomission. Die erste Klasse der einheimischen Helfer bilden die sechs Ordinierten (früher Pastoren, jetzt Ososo d. i. Lehrer genannt); die zweite Klasse die 14 Katechisten, zu deren Amt die Lehrer erst 10 Jahre nach ihrer Dienstprüfung aufrücken; die dritte Klasse endlich die Lehrer, davon abermals 62 erster und 63 zweiter Klasse; dazu die Unterstufe der Hilfslehrer, die ebenfalls je nach der Examensnote gut oder genügend in zwei Klassen zerfallen (39 gehören zur 1., 24 zur 2.); als dritte Unterstufe des Lehrpersonals die Lehrgehilfen ohne spezielle Fachvorbildung (noch 11); eine letzte Klasse endlich setzt sich aus nicht weiter vor­gebildeten, aber zur Heidenpredigt geeigneten Laien, den sogenannten Evangelisten zusammen (nur noch 8). Charakteristisch ist endlich die Einrichtung der Gemeinde- Ältesten; in Usambara hielten die Betheler schon 1911 zwei Ältestentage, die sich nicht ohne Erfolg mit den rechtlichen Grundlagen der christlichen Ehe, der Verant­wortlichkeit der Gemeinden zur christlichen Kindererziehung, der Frage der Be­schneidung u. dgl. befaßten, um der Gemeindeentwicklung klare Richtlinien zu geben.

Aussichten und Folgerungen.

Wenn wir aus dem Ganzen das Fazit ziehen, so müssen wir angesichts der kurzen Zeit und der großen Schwierigkeit Gesamtwirkung und Gesamtresultat der christlichen Heidenmission in unseren Schutzgebieten als gewaltig und bewunderns- wert bezeichnen, nicht bloß in kultureller, sondern auch in religiöser Hinsicht. Die 1405 katholischen und 868 protestantischen, zusammen 2673 Missionskräfte auf der einen, die 144326 katholischen mit» 101161 protestantischen, zusammen 245487 Neuchristen auf der anderen Seite stellen eine Unsumme von Kraftaufwand und Leistungen dar, die unseren Kolonien eine hervorragende Stellung im Ganzen der christlichen Weltmission sichert, so daß wir sie zu den bestbestellten Missionsfeldern des Erdkreises rechnen dürfen, besonders im Vergleich zu den vom allgemeinen Standpunkt aus doch so wichtigen und entscheidenden ostasiatischen Riesenländern und Riesenvölkern. Diesen: äußeren extensiven Ergebnis entspricht durchaus das innere intensive und qualitative, wie wir bereits gesehen haben. Einen so raschen Aufschwung in Gegenden, wo vor einer Generation zum Teil noch keine, zum Teil sehr wenig christliche Eingeborene wohnten, dürfen wir nicht zuletzt auf Rechnung der deutschen Okkupation und der damit zusammenhängenden deutschen Kolonialbewegung setzen.

Soweit wir aus der Vergangenheit und Gegenwart auf die Zukunft schließen können, darf sich die Mission den besten Hoffnungen hingeben, falls das Interesse und die Unterstützung aus der Heimat anhält und noch zunimmt, wie zu erwarten ist. Der zahlenmäßige Vergleich gerade zwischen den letzten Jahren (den 80000 katholischen Getauften vom Jahre 1910 stehen jetzt 150000 gegenüber) zeigt deut­lich, daß Umfang und Grad der Missionsfrüchte in rapidem Steigen und unauf­haltsamer geometrischer Progression begriffen ist, um so mehr als jetzt die viel schwierigeren Anfänge, die vorbereitenden und grundlegenden Arbeiten bewältigt sind. Erleidet diese stetige Entwicklung keinen Rückschlag oder Stillstand, dann können wir in Anbetracht namentlich der qualitativen Überlegenheit der christ­lichen Elemente dem Urteil von Kennern rechtgeben, daß Afrika wie Ozeanien binnen eines halben Jahrhunderts ein christlicher Erdteil zu werden verspricht, jedenfalls eine überwiegende Christianisierung der einheimischen Kolonialbevölke­rung zu erwarten ist.

Vergleichen wir die Missionserfolge beider Konfessionen miteinander, so er­gibt sich ziffermäßig ein erhebliches Übergewicht der katholischen vor der pro-