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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
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die der Missionar dabei verfolgt, sind im allgemeinen durchaus edler und idealer Natur; nicht nm irdische Schütze und Ehren zu erwerben, sondern um in un­eigennütziger, entsagungsvoller Arbeit den armen Heiden zu helfen und ihre unsterblichen Seelen zu retten, hat er Vater und Mutter verlassen und sich in die einsame Wildnis vergraben, wo er zeitlebens unter den härtesten Entbehrungen und Anstrengungen bei fremden, rohen Menschen arbeitet und in der Regel ein frühes Grab findet.

Der Missionserfolg mag manchen Kolonialkreisen gering vorkommen; in Anbetracht der großen Jugend und der großen Hindernisse der Mission ist er aber höchst bedeutsam. Quantitativ ist zwar erst die Minderheit der eingeborenen Bevölkerung christlich geworden, aber es ist doch im allgemeinen die geistig höher stehende Schicht, eine für ihre Stammesgenossen tonangebende und für die Folge­zeit entscheidende Elite. Auch der qualitative Erfolg, die innere sittlich-religiöse Beschaffenheit der Neuchristen ist zumeist befriedigend, soweit man es von An­fängern, die vielfach noch stark von ihren alten Anschauungen und Gewohn­heiten beeinflußt sind, erwarten und verlangen kann. Die volle sittlich-religiöse Erneuerung der Neger- und Kanakenstämme wie die der Chinesen fordert freilich eine Generationen umfassende Entwicklung, wie die Missionsgeschichte anderer Zeiten und anderer Gegenden lehrt. In unseren Kolonien darf jedenfalls die gegenwärtige Mission den Vergleich mit der altchristlichen und mittelalterlichen wohl aufnehmen, wie nicht bloß die Missionare, sondern auch solche Kenner be­zeugen, die grundsätzlich auf anderem Boden stehen.

Diese Erfolge sind um so höher einzuschätzen, als sich der christlichen Mission in unserer Gegenwart und in unseren Kolonien ganz besondere Schwierigkeiten entgegensetzen: Schwierigkeiten wegen mangelnder Mittel und Kräfte, Schwierig­keiten der Natur und des Klimas, Schwierigkeiten des kulturell wie religiös und sittlich meist sehr tief darniederliegenden Missionsobjekts, Schwierigkeiten durch unchristlich denkende oder lebende europäische Ansiedler wie zum Teil auch durch die koloniale Politik. Noch jetzt schrecken die einheimischen heidnischen Religionen, vertreten durch herrsch- und gewinnsüchtige Priester und Zauberer, selbst vor Gewaltmaßregeln nicht zurück, um das verhaßte Christentum zu be­kämpfen, indem sie die Rasseninstinkte aufreizen, den Missionaren nachstellen, christliche Mädchen entführen usw. Gefährlicher noch als das Heidentum, das vor der siegreich eindringenden Religion Jesu früh oder spät von selbst ausein­anderfallen muß, wird der christlichen Mission in Togo und Kamerun wie in Deutsch-Ostafrika der von vielen mit Unrecht totgeglaubte und totgesagte Islam. Ja trotz seines politischen Rückgangs uud seiner Entwaffnung durch die Anti- sklavereimaßnahmen dringt er gerade nach der deutschen Besitzergreifung in unse­ren Kolonien noch unaufhaltsamer vor als früher, dank vor allem der fanatischen Propaganda seiner Anhänger und seiner sinnlich mehr zusagenden Praxis. Eine gewisse Mitschuld ladet sich allerdings die Kolonialregierung dadurch auf, daß sie den Islam indirekt begünstigt, indem sie viele Mohammedaner auch in heid­nischen Gebieten als Unterbeamte oder Lehrer in ihren Dienst nimmt, obschon der Moslim auch politisch und national erwiesenermaßen im allgemeinen höchst unzuverlässig ist. So kann es nicht wundernehmen, daß nicht bloß die eigent­lichen Mohammedaner sich der Mission fast völlig unzugänglich beweisen, son­dern ihr auch im Kampf um die Negerseele der Weg durch den Islam vielfach verschlossen wird.

Das katholische Christianisierungswerk.

Der katholischen Mission wird vielfach vorgeworfen, daß sie in ihrer Methode viel laxer und flüchtiger sei als die protestantische. Tatsächlich gehört es zu ihren