damit sie der großen Kindersterblichkeit entgegenwirken können. Im Kiautschou- gebiet hat die Berliner Mission ein kleines Hospital in Tsimo, in welchem letztes Jahre 2974 Patienten verpflegt wurden. Das Faberhospital des allgemeinen evangelisch-protestantischen Missionsvereins in Tsingtau verzeichnet für 1912 im ganzen 2555 Patienten mit 15153 Behandlungstaten, davon 653 klinisch, 1902 polyklinisch Behandelte, sowie 252 Operationen. Neben diesem Faberhospital unterhält der Verein ein Faberkrankenhaus für Europäer in Tsingtau und zwei Hospitäler in Taitungtschen und in Kaumi.
Einen Vorsprung weist die protestantische Gesundheitspflege gegenüber der katholischen durch ihre sogenannte ärztliche Mission auf, d. h. durch Heranziehung von Berufsärzten, deren Tätigkeit dem Organismus und Programm der Mission eingefügt wird, im Interesse des europäischen Missionspersonals wie der meist hilflosen eingeborenen Krankenwelt. Das 1906 konstituierte deutsche Institut für ärztliche Mission will dazu dienen, solche approbierte Missionsärzte heranzubilden und auch einzelne Missionare medizinisch auszurüsten. In Neudeutschland ist freilich der missionsärztliche Betrieb noch nicht so entwickelt wie anderswo. In Deutsch-Ostafrira sind vier approbierte Ärzte stationiert, auch die Institute des evangelisch-protestantischen Missionsvereins in Tsingtau werden von zwei deutschen Ärzten geleitet, in den übrigen Kolonien dagegen sind die Missionsärzte der deutschen Gesellschaften wieder eingegangen oder noch nicht vorhanden.
Religiöse Missionsarbeit.
Trotz all der behandelten aufreibenden Kulturanstrengungen bleibt Kern und Stern der missionarischen Tätigkeit die Gewinnung der Heidenwelt für Christus und das Christentum, die Verkündigung des Evangeliums und die Bekehrung der Völker. Auch Schule und Literatur, Wirtschaftsanlagen und Liebeswerke sollen dem Glaubensboten dazu dienen, den einzelnen wie das Ganze zur christlichen Religion hinüberzuziehen und mit ihrem Geiste zu durchdringen. Sie bleibt sich stets bewußt, daß die weltliche Kultur nur dann wohltätig für Leib und Seele der Eingeborenen wirken kann, wenn sie durch die christliche Moral und Religion, durch die Pflege des Gewissens und die Übung des Willens ergänzt wird. Auch dieses Hauptziel der christlichen Mission erscheint keineswegs als die geringste Wohltat, welche Deutschland seinen überseeischen Schutzgebieten zuteil werden läßt; ist doch die Religion wenigstens in den Augen aller christlich Denkenden Gipfel und Krone jeder echten, wahren Kultur! Durch die Mission bekundet und betätigt Deutschland seinen trotz aller Gegenwirkungen in der Hauptsache christlichen Charakter, seine tief religiöse Überzeugung und Opferwilligkeit auch gegenüber den seiner besonderen Obhut anvertrauten Eingeborenen der Kolonien. Die Mission charakterisiert das christliche Grundgepräge der auf die Schutzgebiete hinüberströmenden heimatlichen Kultur; aber auch die christliche Religion selbst offenbart in dieser, den ganzen Erdkreis umspannenden, kein Land und kein Volk von ihren Segnungen ausschließenden Weltmission ihren Weltberuf und ihre absolute Überlegenheit vor allen anderen Religionen.
Danach orientiert die Heidenmission auch ihr Ziel.
Die individuelle Missionsaufgabe erstrebt einerseits die innere Umwandlung, andererseits den äußeren Übertritt der Nichtchristen. Vollzogen wird derselbe durch die Taufe, die durch das Katechumenat vorbereitet wird. Das soziale Missionsziel gipfelt in der Volkschristianisierung und kirchlichen Organisation, die möglichst auf eigene Füße gestellt werden soll. Auch an den Neubekehrten setzt die Mission ihre Arbeit, die Unterweisung in den christlichen Lehren und Grundsätzen und die Heiligung durch Gottesdienst und Gnadenmittel fort. Die Motive,