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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
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schule in Kiautschou zu eröffnen. Endlich besitzt die Mission außerhalb unserer Kolonie noch eine Katechisten- und eine Katechistinuenschule, ein Lehrerseminar und eine Präparandenanstalt sowie ein Priesterseminar.

Literarische Beeinflussung.

Teils im Dienst der Schule teils außerhalb derselben sind die christlichen Missionare auch schriftstellerisch und wissenschaftlich tätig. Nicht bloß eigentliche Missionsschriften religiöser Natur wie Bibel und Katechismen, Gebet- und Ge­sangbücher, theologische und erbauliche Werke, sondern auch Fibeln, Gramma­tiken, Wörterbücher u. dgl., zum Teil auch schon periodische Blätter fließen aus der Feder der Missionare, die auf diese Weise manchen Sprachen und Stämmen zum erstenmal eine einheimische Literatur geschenkt haben. Durch die literari­schen Erzeugnisse suchen sie vor allem das ganze Volkstum geistig umzugestalten und die Volksseele mit christlichem Geiste zu erfüllen, vollbringen aber zugleich kolonisatorische Kulturtaten von eminenter Tragweite. Durch ihre Forschungen und Abhandlungen tragen sie zudem viel zur Bereicherung der geographischen, geologischen, botanischen, zoologischen, ethnographischen, sozialogischen, linguisti­schen, literargeschichtlichen, religionswissenschaftlichen Kenntnisse bei und geben hierüber oft viel zuverlässigere Aufschlüsse als flüchtig verweilende Reisende, wie insbesondere die von (meist katholischen) Missionaren bediente, von den Fachleuten sehr geschätzte, bereits im 8. Jahrgang stehende ZeitschriftAnthropos" beweist.

So hat auf katholischer Seite die Stehler Mission in Togo bis 1911 für ihre Schulen 90000 Exemplare von Schulbüchern, die Missionare zu Verfassern haben, und außerdem 75000 Bücher religiösen Inhalts herausgegeben, Bibeln, Katechismen usw. in die Ewe- uud Gee-Sprache übersetzen lassen, ferner zur Weckung frommen Sinnes und zur Vertretung fortschrittlicher Ideen teils in deutscher, teils in der Ewe-Sprache eine immer mehr sich verbreitende religiöse Monatszeitschrift unter dem Namen Mia Holo (Unser Freund) gegründet. Ihre Missionsdruckerei in Lome muß ständig mit einer Tiegel- und Flachdruckpresse arbeiten, um sämtliche Aufträge zu erledigen. Nicht minder rührig ist die Pal- lottiner-Mission in Kamerun in der Abfassung oder Übersetzung von Bibeln, Katechismen, Gebetbüchern, Lesebüchern usw. Bis Mitte 1913 lagen zu kirchlichen oder Schulzwecken vor: in Duala 20, in Banoho 8, in Basa 6, in Jaunde 9, in Ngumba-Mabea 3, in Balondo 1, in Bali 3, in Dschang 3 Publikationen (fast alle schon gedruckt). Daneben werden hier wie anderswo Tausende rein deutscher Bücher eingeführt. Die Oblatenmission in Deutsch-Südwest brachte im vorigen Jahre eine Diriko-Bibel nebst einem Katechismus und einem Gebetbuch in der Namasprache hervor. In Deutsch-Ostafrika, wo sich eine Missionsdruckerei der Benediktiner in Daressalam befindet, redigiert Bischof Spreiter selbst die Zeit­schrift Rafiki yangu, verfaßte u. cr. der Benediktiner Meier eine Matumbi- Grammatik und übersetzten die Väter vom Hl. Geist einen Katechismus und die Nachfolge Christi ins Suaheli, doch geschieht hier auf literarischem Gebiete im allgemeinen weniger. Eigene religiöse Bücher in den Eingeborenensprachen haben ferner die Stehler Missionare im Kaiser-Wilhelms-Land angefertigt; daneben widmen sie sich linguistischen und ethnographischen Studien, geologischen For­schungen, geographischen Kartenaufnahmen und anderen wissenschaftlichen Beschäfti­gungen. Eine lange Reihe literarischer Produktionen haben die Hiltruper Mis­sionen auf dem Bismarck-Archipel und den Marshall-Jnseln aufzuweisen; die Namen eines P. Bley, Winthuis, Josef Meyer, Otto Meyer, Eberlein, Raschel, Peeken, Kleintitschen, Müller haben bei Ethnologen und Sprachforschern der Süd­see einen guten Klang. Für Samoa geben die Maristen eine besondere Monats­schrift (Anama) heraus. Ebenso erscheint in der Missionsdruckerei der Kapu-