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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
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ringen, nicht bloß in pädagogischer und religiöser Hinsicht, sondern auch in der Verstandsbildung und Vermittlung von Kenntnissen, wie die Brauchbarkeit der im Staats- und Privatdienst angestellten Schüler beweist. Eigentliche Volksschulen im vollen Sinne sind in der Regel nur die auf fünf bis sieben Jahre sich er­streckenden Stationsschulen, die nach oben durch die Fortbildungs- und Mittel­schulen, nach unten durch die Katechismus- und Außenschulen ergänzt werden. Unterrichtsgegenstand und Unterrichtssprache ist namentlich in manchen katholischen Missionen das Deutsche, doch gehen hierüber die Ansichten sehr auseinander. Als Lehrer stehen dem Missionar meist eingeborene Gehilfen oder Katechisten zur Seite. Zur Heranbildung des einheimischen Lehr- und Gehilfenpersonals dienen die Lehrer- und Katechistenseminarien.

Im Unterschied zum eigentlichen Missionserfolg ist die protestantische Mission der katholischen auf dem Gebiet der Schule wenigstens numerisch stark überlegen, hauptsächlich wegen ihrer reicheren Mittel und Kräfte; den 2583 prote­stantischen Missionsschulen stehen nur 1728 katholische Schulen, den 98538 prote­stantischen Schülern nur 92873 katholische Schüler gegenüber. Auch in bezug auf Ausstattung und Lehrmittel dürfte das Übergewicht auf seiteu der protestan­tischen Missionsschulen stehen. In bezug auf die Leistungen scheint das Lehrer­personal auf protestantischer, das Schülermaterial auf katholischer Seite vielfach besser zu sein. Im Schulbetrieb und in der Lehrmethode ergibt sich kein wesentlicher Unterschied, nur daß die katholischen Missionsschulen ein stärkeres Gewicht auf das erziehliche und autoritative Element legen dürften.

Protestantische Missionsschulen.

Am günstigsten liegen die Verhältnisse für die Entwicklung des Schulwesens in unseren westafrikanischen Kolonien Togo und Kamerun, deren Bewohner einen großen Bildungshunger und namentlich einen lebhaften Wunsch nach Erlernung der deutschen Sprache an den Tag legen. Charakteristisch ist die Begründung, mit der ein Neger die Wegnahme seines Sohnes von einer Bremer Schule begründete: Mit Ewe kann man sein Brot nicht verdienen, nur mit Deutsch und Englisch." In Togo unterrichtet die Bremer Mission in 162 Schulen mit 168 Lehrern und Lehrgehilfen 5643 Schüler. Auch sie widmet den Lehrplänen und Unterrichts­mitteln große Sorgfalt und sucht die intellektuelle Ausbildung durch Anleitung zu praktischer Arbeit zu ergänzen. Die Stationsschulen erstrecken sich auf sieben, die Nebenschulen auf drei Jahre. Daneben bestehen Kleinkinderschulen, eine zwei- klassige Fortbildungsschule und ein Seminar in Ho, das 1912 in einem vierjährigen Kursus 83 Zöglinge zu eingeborenen Lehrern heranzuziehen suchte. In diesem Jahre konnte es eine Bibliothek von 400 Bänden anlegen; auch Musik und körper­liche Arbeit (Bau und Pflanzung) wurde nicht vergessen, am Schluß des Jahres fand sogar eine zehntägige Predigtreise des ganzen ersten Kursus statt; aber obschon 20 neue Seminaristen in Dienst genommen wurden, sank die Zahl der Lehrer, weil wegen sittlicher Vergehen und ungenügender Befähigung eine Säuberung nötig war. Noch ganz unentwickelt ist das Schulwesen der Wesleyaner.

Großen Lerneifer zeigt die Jugend in Kamerun. Der Andrang zu den höheren wie niederen Lehranstalten ist groß und von überallher häufen sich die Bitten um Errichtung von Schulen, so daß sie längst nicht alle erfüllt werden können. Ende 1912 wurden im ganzen 490 protestantische Schulen mit 27910 Schülern und Schülerinnen angeführt. Quantitativ wie qualitativ steht das Schulwesen der Bnsler mit 319 Schulen, 269 (1911) Gehilfen und 17833 Schulbesuchern obenan; während sonst der durch die Regierungsverordnungen festgelegte bedingungsweise Schulzwang vielfach weniger günstig beurteilt wurde, verspürten sie eine sichtliche Besserung im Schulbesuch. Sie unterhalten auch ein Lehrerseminar und drei höhere Schulen, doch macht auch ihnen die Unzuverlässigkeit der einheimischen