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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
Entstehung
Seite
276
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Für die Besitzergreifung Togos war der Aufenthalt S. M. S.Sophie" (Kommandant Korvettenkapitän Stubenrauch) im Anfang des Jahres 1884 ein wichtiger Schritt. Die Entsendung dieses Schiffes geschah infolge der Eingabe deutscher Kaufleute an dortiger Küste im Interesse ihrer Handelsgeschäfte und ihres Schutzes, der von verschiedenen Seiten und zweifellos infolge englischen Einflusses gefährdet wurde. In dieser Hinsicht tat sich ein intelligenter Schwarzer, Lawson, hervor, der nicht nachließ, das deutsche Ausehen zu untergraben. Es gelang Kapitän Stubenrauch, mit den Häuptlingen in Lome und Kleinpopo Ver­träge abzuschließen, an denen sich Lawson nicht beteiligte, im Gegenteil sofort nach Abfahrt derSophie" sich erfrechte, Gegenmaßnahmen zu treffen. Infolge­dessen eilte dieSophie" von Großpopo nach Benachrichtigung der Gescheh­nisse durch einen reitenden Boten wieder herbei, schickte das Landungskorps an Land und nahm den impulsiven Lawson und drei seiner Helfershelfer gefangen, ging nach Großpopo zurück und landete dort 40 Mann, um in Abanage gegen den dortigen König wegen gewisser Ungehörigkeiten vorzugehen. Kapitän Stuben­rauch ist in jener Zeit für das deutsche Ansehen kräftig eingeschritten und hat die Wege für die späteren Handlungen geebnet. Jene Geiseln, mit Ausnahme Lawsons, wurden von derSophie" mit nach Hanse genommen, wo ihnen die Macht des Deutschen Kaisers vor Augen geführt wurde. Später nahm sie die Möwe" nach Togo zurück.

Der wichtigste Schritt geschah nuu am 5. Juli 1884 in Bageida, als Dr. Nachtigal, mit S. M. S.Möwe" dort eingetroffen, endgültig die deutsche Flagge heißt, und tags darauf auch in Lome. Die unerhörten Übergriffe des eng­lischen Distriktskommissars Firminger, der die Eingeborenen während seines Zuges in jenen Gebieten gegen die Deutschen aufhetzte, waren schließlich die Beweg­gründe zu der Besitzergreifung. Am 11. Juli geschah es auch in der Hauptstadt Togo.

Von deutschen Kriegsschiffen erschien dann im September 1884 noch die Leipzig" vor Porto Seguro und heißte nach Abschluß eines Vertrages auch hier die deutsche Flagge, nachdem wegen Zugehörigkeit dieses Ortes zum Togo­gebiet vorher gewisse Streitigkeiten stattgefunden. Dann traf am 26. Februar 1885 Kapitän Bendemann mit derOlga" in Lome ein, wo inzwischen von den beiden Engländern T. D. und G. B. Williams wieder große Unruhen gegen die deutschen Bestrebungen in Szene gesetzt waren. Dem energischen Vorgehen Bende- manns ist es zu verdanken, daß bald Ruhe eintrat, hierzu wirkte nicht minder die Verabfolgung einer Tracht Prügel auf gewisse Körperteile der frechen William- schen Agenten, die gleichsam den Schlußeffekt darstellten. Alsdann regulierte Olga" im Einvernehmen mit dem englischen Gouverneur des Nachbargebiets die Grenzen zur allgemeinen Zufriedenheit.

Später griff nochmals Admiral Knorr (Bismarck") gegen die Proteste der Franzosen wegen der Besitznahme Porto Seguros endgültig und mit Erfolg ein.

Südsee.

Blättert man in der Literatur über das umfangreiche GebietSüdsee" nach und fahndet auf das WortMarine", so sehen wir, daß im Jahre 1872 S. M. S.Nymphe" (Kommandant Kapitän von Blanc) als erstes Kriegsschiff den Fidfchi-Archipel besucht, ein Jahr später dieArkona", bei welcher Gelegen­heit mit dem damaligen König Thakomban Freundschaft geschlossen wird und über den Krieg 1870/71 dem sehr interessierten König (bis zum Jahre 1854 be­teiligte er sich noch aktiv an der Menschenfresserei) allerhand erzählt wird. Der deutsche Handel war damals schon ansehnlich, ein Konsulat sollte eingerichtet werden, kurzum, das neu erstandene Deutsche Reich wurde hier in Luveka würdig,