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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
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Tanz und Spiel sind sehr beliebt. Der Tanz erscheint als Solo-, Neigen- und Massentanz. Die Leute von Bedere (Adele) und Difale behaupten keine eigenen Lieder zu haben.

An Instrumenten lassen sich Schlag-, Rassel-, Blas- uud Saiteninstrumente unter­scheiden, die verschiedenster Form sind.

Das ganze Leben der Eingeborenen ist von abergläubischen und religiösen Vor­stellungen durchsetzt. Jede Tätigkeit, jeder Ort, jeder Mensch und jede menschliche Gemeinschaft haben fast ihren Schutzgeist, dem an bestimmten Orten geopfert wird. Den Verkehr der Menschen mit Göttern und Geistern besorgen die Priester, die noch an einigen Orten, wie in alter Zeit allgemein, auch die weltliche Gewalt innehaben.

Die große Zahl der Geister und Götter erklärt sich unschwer aus der Tatsache,-daß neben den Hexen und Zaubergeistern der ältesten Menschheitszeit allmählich mit der zunehmenden geistigen Entwicklung auch die Götter, die Projektionen der menschlichen Wünsche und Hoffnungen, reifer, sittlicher, größer wurden, ohne die ersteren zu ver­drängen. Überall spielt die Verehrung der Gestorbenen eine große Rolle. Im Norden des Landes haben sogar einzelne Stämme bei jedem Gehöft eine besondere Hütte, die der Verehrung der Toten gewidmet ist.

Die Errichtung von Lehmfiguren, Steinhaufen uud Steinringen bei der Betätigung der mythologischen Vorstellungen durch die Neger Togos hat fälschlich den Namen Fetischismus" aufkommen lassen. Hierunter ist jedoch der Kult lebloser Gegenstände zu verstehen, auf welche die überirdischen Geister einen Teil ihrer Macht übertragen. Dieses ist aber nach Aussage der Eingeborenen zumeist nicht der Fall, da mit jenen Darstellungen nur der Ort, der Sitz, die geweihte Stätte des Geistes bezeichnet werden soll. Demnach istAnimismus" eine für die Mythologie der meisten Togoneger besser passende Bezeichnung, obwohl manche Anklänge an die andere Ausdruckssorm der überhaupt nicht sehr klaren religiösen Vorstellungen sich hier und da finden mögen.

Neben der Ahnenverehrung und der ihm verwandten Geisterreihe spielt der Natur­mythus, die Personifikation der Naturgewalten, eine große Rolle. In einem dumpfen Fatalismus spiegelt sich die erschlaffende Wirkung des Klimas auf die Menschen wieder, denn wie es diese formte, so formte es naturgemäß auch den Geist und den geistigen Inhalt jener.

Die Priester übten ehedem mit größter Skrupellosigkeit ihre Macht über das Volk aus, und Tausende starbe.n und verbluteten jährlich an ihren: Gift oder an ihren an das mittelalterliche Gottesgericht gemahnenden Machtproben über Leben und Eigentum der Stämme.

Noch heute treiben Geheimbünde unter Leitung von Priestern und Priesterinnen ihr lichtscheues Wesen, denen jedes Mittel zur Befriedigung ihrer Wünsche recht ist.

Wir müssen uns hier mit der andeutungsweisen Hervorhebung der hauptsächlichsten Erscheinungen im Leben der Eingeborenen Togos begnügen, da ein näheres Eingehen auch auf nur einzelne Punkte infolge der mannigfachen Verschiedenheiten sich verbietet.

Erwerb und Behauptung.

Als deutsche Kaufleute, die sich seit wenigen Jahren an der Togoküste niedergelassen hatten, trotz ihrer Verträge mit den eingeborenen Häuptlingen, Wohl infolge englischer Einflüsse, feindlich behandelt wurden, baten sie 1884 um den Schutz der deutschen Regierung.

DieSophie" griff mit einem Landkommando ein und nahm die Ruhestörer mit nach Deutschland.

Im Juli desselben Jahres hißte Dr. Nachtigal die deutsche Flagge in Bagida und Lome, und der Küstenstreifen war deutsches Gebiet. Wenn bisher weder die Engländer noch Franzosen Interesse an dem Lande gezeigt hatten, so erwachten sie plötzlich, als Deutschland hier festen Fuß zu fassen drohte, und die nächsten Jahre sind ausgefüllt

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