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Die Ewe-Stämme : Material zur Kunde des Ewe-Volkes in Deutsch-Togo / von Jakob Spieth
Entstehung
Seite
736
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2. Kapitel: Das soziale Leben.

1. Hauptabschnitt: Die Ehe.

I. Heiratsgebräuche.

A. In der Jugend geschlossene Ehe.

1. Brautwerbung, a. Anfrage um die Braut.

Das Heiraten kann man in diesem Stamm nicht heiraten nennen. Man kann nur sagen, daß Mädchen geboren werden. Die Glieder eines Familienteils müssen sich ihre Mädchen gegenseitig zur Heirat geben, gleich­viel, ob auf der väterlichen oder mütterlichen Seite. Es wird gesagt, wenn vor alters eine Frau schwanger war, so nahm man sie fest und sagte: Wenn du ein Mädchen bekommst, so muß sie meine Frau werden; be­kommst du aber einen Knaben, so muß er mein Freund sein. Das war in früheren Zeiten der Brauch aller Ewe& r, der aber gegenwärtig da und dort nicht mehr beachtet wird. Auch in diesem Stamm ist es heutzutage nicht mehr so. Wenn ein Mädchen zu gehen anfängt, so hat man sie schon einem Mann gegeben.

b. Leistungen für die Braut.

Wenn ein Mädchen einem Mann als (seine künftige) Frau gegeben wird, so muß er seinem Schwiegervater und seiner Schwiegermutter zuerst mit zwei Armlängen europäischem Stoff, einer Flasche Branntwein und 60 hoka Kaurimuscheln danken, wobei ihn seine Brüder väterlicherseits begleiten. Von da an gibt der Mann dem Mädchen immer Nahrungsmittel, besonders beim Yamsfest, dann, wenn der Yams gegraben und wenn er gepflanzt wird. Unterläßt er es, auf diese drei Zeiten Speise zu schicken, so wird ihm das Mädchen von seinem Schwiegervater und von seiner Schwiegermutter wieder weggenommen.

Wenn die Zeit gekommen ist, den Acker zu bestellen, so geht der Jüngling mit zwei oder drei andern einmal auf den Acker seines Schwieger­vaters, um ihn zu hacken. Ein- oder zweimal geht er auch, um die Feld­arbeit seiner Schwiegermutter zu besorgen. Diese Arbeiten tut er solange, bis das Mädchen erwachsen ist. Man nennt sieArbeit zum Abschluß der Heirat. Auch andere Arbeiten, wie z. B. weben, auf den Palmweinplatz oder auswärts in andere Städte gehen, besorgt er für seinen Schwieger­vater und für seine Schwiegermutter.