5. Kapitel: Das Geistesleben der Hoer.
1. Hauptabschnitt: Die Religion.
1. Teil: Die Götter.
I. Die Himmelsgötter.
A. Einleitende Bemerkungen.
1. Der Gottesglaube im Alltagsleben.
Als ich vor Jahren einmal im Dorfe Kpenoe gepredigt hatte, sagte der alte Häuptling zu mir: „Wir Leute in Kpenoe dienen dem Erdengott Axeavikpe, aber daneben dienen wir auch dem Maxen Sodza. Wenn in meinem Dorfe jemand zu finden ist, der nicht jeden Morgen, nachdem er von seiner Matte aufgestanden, Wasser auf die Erde gießt und sagt: 0 Maxou Sodza, hagbeno lägbeno, di nududu egbe ne madu, eye ne matsi agbe, d. h. „0 Gott Sodza, Besitzer des Palmweins, Besitzer des Fleisches, gib mir auch heute meine Nahrung und gib, daß ich am Leben bleibe!“ — so ist das kein Mensch. Wenn . wir auf den Acker gehen, um mit der Hacke die Erde zu lockern, so sagen wir vorher: Maxen, „Gott.“
Auf einer Reise wanderte ich mit meinen Leuten in der heißen Mittagssonne durch eine breite, baumlose Ebene. Nach mehrstündigem Marsch erreichten wir einen Bach, dessen Ufer mit Schattenbäumen bewachsen waren. Jeder machte es sich im Schatten der Bäume so bequem, als das auf einer Reise möglich ist. Endlich kam auch der heidnische Lastenträger schweißtriefend bei uns an, stellte seine Last auf die Erde und legte sich in den Bach. Dort rief er aus: 0 Maxen daxeraxna! Das letztere Wort stammt aus der Zuspräche und soll auf solche Menschen angewendet werden, die dem Dürftigen gerne geben, und die des Gebens nicht müde werden. Danach würde die Übersetzung lauten: „0 gütiger Gott!“
Im Jahre 1900 saß ein heidnischer Gefangener aus Taviexee in seiner Gefängniszelle zu Lome, wo er von zwei Europäern besucht wurde. Aus der Handbewegung des einen glaubte er schließen zu müssen, sein letztes Stündlein habe geschlagen. In dieser Angst rief er aus: Maxexi, mede kxikxi! „Gott, ich bitte dich!“ Aus diesen Beispielen geht hervor, daß der Gottesglaube in dem Alltagsleben der Exbeev eine Stelle hat. Derselbe macht sich geltend im Familienleben, bei der Kindererziehung, in Gerichtsverhandlungen, bei der Ausübung des täglichen Berufes, in Krankheitszeiten, sowie bei unabwendbaren Unglücksfällen.
Wenn ein Sohn seinem Vater ungehorsam gewesen war, so ermähnt er denselben wohl mit den Worten: Esi Maxeu do xeb da, de xebgblg na xeo