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Die Ewe-Stämme : Material zur Kunde des Ewe-Volkes in Deutsch-Togo / von Jakob Spieth
Entstehung
Seite
298
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4. Kapitel: Das wirtschaftliche Leben.

1. Hauptabschnitt: Die Landwirtschaft.

I. Die religiösen Grundlagen der Landwirtschaft.

A. Der Grasbrand.

1. Einleitende Bemerkungen.

Der sehr steinige Boden von IIo hat nicht viel natürlichen Nährgehalt und müßte deswegen tüchtig gedüngt werden. Von einer künstlichen Bedüngung muß aber schon deswegen ganz abgesehen werden, weil kein Vieh in IIo gehalten wird und der Tsetsefliege wegen wohl auch künftig nicht gehalten werden kann. Die unter Anbau genommenen Ländereien müssen daher immer einige Jahre ruhen, bevor sie aufs neue bebaut werden können. Im Lauf dieser Jahre wird das Land jährlich durch die beim Grasbrand zurückbleibende Asche gedüngt. Geht dem Boden diese natürliche Bedüngung ab, so verliert er seine ohnehin etwas mangelhafte Ertragsfähigkeit. Die Zeit des Grasbrandes, Januar und Februar, ist für den Eingeborenen schon deswegen von besonderer Bedeutung, weil er in dieser Zeit nicht von den Feldgeschäften in Anspruch genommen wird und ungehindert der Jagd obliegen kann. Die günstigen Erfolge der letzteren sind besonders vorn Eintritt des Grasbrandes abhängig. Regnet es Ende Dezember und im Januar noch öfter, so bleibt das Gras lange grün, weshalb der Grasbrand erst spät eintritt und der Busch nur unvollständig abbrennt. Der Busch soll erst nach erfolgter Zustimmung der Häuptlinge und nur abends an­gezündet werden. Das Feuer wird dann nach wenigen Stunden schon durch den Nachttau ausgelöscht und brennt nie so weit, daß für einen Nachbar­stamm Gefahr daraus entstehen könnte. Die Hausbesitzer müssen für die Reparaturen ihrer Dächer im Januar und Februar zuerst soviel Dachgras holen, als sie für dieselben nötig haben. Wird der Busch zu früh angezündet, so verbrennt auch das für den Eingeborenen so unentbehrliche Dachgras. Die Folgen davon hat er besonders in der nächsten Regenzeit in empfindlicher Weise zu spüren. Zuweilen jedoch kommt es vor, daß sich das Feuer aus der Ferne über die dürren Gras­felder wälzt, ehe sich die Dörfer durch Abhauen des Grases rings um ihre Stadt herum darauf vorbereiten konnten. So kommt es, daß manchmal ganze Städte abbrennen, während andere nur mit Not vor dem Untergang gerettet werden können.

Bösen Nachbarn macht es zuweilen Freude, den Busch zu früh oder in den Mittagsstunden anzuzünden. Das Feuer wälzt sich dann mit riesiger Geschwindigkeit durch die trockenen Grassteppen und überrascht manche