Vorwort.
Das vorliegende Buch möchte den Leser mit einigen Stämmen des Tthc^volkes in Togo bekannt machen, die seit dem Jahre 1890 durch Vertrag mit England unter deutsche Schutzherrschaft gestellt worden sind. Mit diesem, für jene Stämme tiefgreifenden Ereignis sind sie uns nicht nur als kaiserliche Untertanen, sondern auch als Menschen näher gerückt, denen gegenüber wir Verpflichtungen haben. Wie nun diese letzteren auch aufgefaßt werden, ob unter dem Gesichtspunkte der Kultur oder der Religion, ihre segenbringende Erfüllung läßt sich ohne möglichst genaue Kenntnis jener Völkerschaften nicht ausrichten. Das Buch bringt nicht nur Mitteilungen über die Geschichte und Rechtsverhältnisse, über das soziale und wirtschaftliche Leben der Stämme von Iso, Matse und Taviewe, sondern gewährt auch einen umfassenden Blick in ihr Geistesleben. Gerade dieses Gebiet war uns Eurpäern bisher am meisten verschlossen. Die Ursache lag nicht sowohl in mangelnder Sprach- kenntnis der Europäer, als vielmehr darin, daß der Afrikaner Zeit braucht, bis er seine innersten Seelenvorgänge einem Fremden anvertraut.
Während einer über mehr als zwei Jahrzehnte sich erstreckenden Missionstätigkeit im Eibe lande war mir reichlich Gelegenheit gegeben, in freundschaftlichem Verkehr mit dem Volke vieles zu hören und Zeuge von Vorgängen und Zuständen zu sein, die sonst vor den Europäern geheim gehalten werden. Soweit meine Zeit und Kraft es erlaubten, pflegte ich Selbstgehörtes und -beobachtetes unmittelbar darauf unter Mithilfe eingeborener Augen- und Ohrenzeugen, mit Angabe von Zeit und Ort des Erlebten, aufzuschreiben. Einzelnen Eingeweihten aus dem Volke, besonders Häuptlingen, Priestern und Zauberern, verdanke ich die wertvollsten Mitteilungen. Dieselben wurden von mir oder von eingeborenen Gehilfen unmittelbar aus dem Munde der Erzähler in ihrer Sprache niedergeschrieben. Ihre Mitteilungen, konnten im Laufe der Jahre in Unterredungen mit Heiden und bei der Heidenpredigt verwendet werden, und wenn sich die Zuhörer zuweilen erstaunt ansahen und frugen, woher der
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