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Weltpolitisches : Beiträge und Studien zur neueren Kolonialbewegung / von Alfred Zimmermann
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Afrikanisches, Amerikanisches, Asiatisches.

Die Monroedoktrin.

Mo oft in den letzten Jahrzehnten Verwickelungen zwischen amerikanischen Staatswesen unter einander oder mit europäischen Staaten auftauchten, ist die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika unter dem leb­haften Anteil der öffentlichen Meinung ihrer Bevölkerung mit mehr oder weniger Nachdruck eingeschritten. Begründet wird diese Einmischung in die Angelegenheiten von Ländern, welche von den Vereinigten Staaten politisch vollständig unabhängig sind, stets mit der Berufung auf die Monroe­doktrin. Man bemüht sich neuerdings in den Vereinigten Staaten den Eindruck zu erwecken, als wenn diese Doktrin einen: vielleicht von allen Staaten Amerikas vertragsmäßig oder sonst völkerrechtlich vereinbarten Grundsätze oder zum mindesten einem heilig gehaltenen Prinzip der Verfassung Nordamerikas gleich käme. Beseelt doch die Monroedoktrin oder, was ungefähr dasselbe ist, der Satz:Amerika den Nordamerikanern", weite Schichten der dortigen Bevölkerung nicht minder wie den christlichen Missionar das Wort des Herrn:Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker." Geht man der Sache indessen auf den Grund, so zeigt es sich sehr bald, daß die Monroedoktrin nur etwa den gleichen Wert zu beanspruchen hat, wie etwa das berühmte Testa­ment Peters des Großen, auf welches die Russen ihre ge­schichtliche Mission, Indien zu erobern, begründen. Es handelt sich einfach um einen Grundsatz amerikanischer Staatsmänner, welche in der möglichst großen Ausdehnung