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Bilder aus der Südsee : unter den kannibalischen Stämmen des Bismarck-Archipels / von Heinrich Schnee
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Kapitel XIX.

Kämpfe und Kannibalismus.

Das Wort Nietzsches, dass die Grausamkeit die grosse Festfreude der älteren Menschheit ausmache, ja als Ingredienz fast jeder ihrer Freuden zugemischt sei, trifft für das Stück der »älteren Menschheit«, welches sich in den Eingeborenen des Bismarck-Archipels ver­körpert, vollkommen zu. Auf Grund vieler Beobach­tungen habe ich den Eindruck gewonnen, dass die grösste Freude für den Kanaker darin besteht, ein lebendes Wesen, wenn möglich einen Menschen, in grausamer Weise abzumorden. Schon in kleinen Dingen zeigt sich, dass Grausamkeit eine Haupteigenschaft der Eingeborenen ist. Hühner werden mitVorliebe bei leben­digem Leibe gerupft, lebende Schweine werden in geradezu barbarischer Weise gefesselt und stundenlang an Stöcken hängend getragen, so dass oft an den Berührungsstellen der Beine das Fleisch bis auf die Knochen durchgerieben ist.

Die bestialische Grausamkeit der Eingeborenen der Gazellehalbinsel tritt besonders in einem Brauch zutage, der mit dem Worte »ag« (sprich ang) bezeichnet wird. Der gewöhnliche Meuchelmord durch Tötung des Gegners mit Speer oder Keule aus dem Hinterhalt bietet immerhin für den Täter Gefahren. Die Verwandten des