Print 
Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
Place and Date of Creation
Page
143
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Geburtstage der unvergeßlichen Königin Luise, einer geborenen Prinzessin von Mecklenburg, wurde die Anlage zu Ehren ihres Heimatlandesdas Mecklenburghaus" genannt. Von Süden wie von Norden führen gut ge­haltene Wege zu den ersten Vorhöhen hinauf. Doch bald verengert sich der Pfad; starre Felswände ragen an den Seiten empor, ein klarer Bach rauscht hurtig über Steine und Klippen, und frisch und kühl flutet uns die reine Bergluft entgegen. Droben im Genesungsheim ist für Unterkunft und Pflege bestens gesorgt. Hier kaun der Schwache neuen Lebensmut schöpfen, der Gesunde seine Kräfte auf genußreichen Bergwanderungen oder anstrengenden Spitzenbesteigungen stählen, bis es wieder hinabgeht nach Tsingtau, auf den Kampfplatz des Lebens, wo es gilt, dem deutschen Namen und der deutschen Ehre immer höheres Ansehen zu gewinnen.

Nach Dr. Behme und vr. Krieger.

2. Die kevölkerung in Veut!'ck--Llunci.

Die eingeborene Bevölkerung Deutsch-Chinas wohnt mit Ausnahme des geringen Bruchteils, der sich im Bereich der neuen Hauptstadt Tsingtau ansiedeln durfte, lediglich in Dörfern. Diese machen, von außen gesehen, einen recht guten Eindruck, der allerdings beim Betreten durch den in allen Ortschaften Chinas üblichen Schmutz und Geruch stark beeinträchtigt wird. Die Bauart der Dörfer ist eine regelmäßige. Eine Hauptstraße zieht von Ost nach West, kleinere Straßen laufen ihr parallel, andere kreuzen sie im rechten Winkel. Nach Norden und Nordwesten sind nicht nur die Dörfer, sondern auch die einzelnen Häuser zum Schutze gegen den während der Winlermonate wehenden scharfen Nord Westwind meistens ganz abgeschlossen. Die Häuser haben einen Unterbau aus Feldsteinen, der aber ohne Fundament auf den Erdboden gesetzt wird. Der Unterbau trägt die Wände, die aus roh gebrannten Ziegeln oder aus Lehm und Stroh aufgeführt sind. Die Fenster werden an Stelle der Glasscheiben mit dünnem Papier versehen. Die Dächer bestehen aus Schilf oder Stroh, seltener aus Ziegeln, in den Fischerdörfern bisweilen aus getrocknetem Seetang. Der aus festgestampftem Lehm hergestellte Fußboden liegt etwa 30 ein über der Erde. Alle zu einem Gehöft gehörigen Baulichkeiten werden durch eine ungefähr 2 na hohe Mauer umschlossen, wodurch die Ortschaften trotz ihrer regelmäßigen Lage sehr un­übersichtlich erscheinen. Fast jedes Dorf hat eine Schule, woraus man auf einen verhältnismäßig hohen Bildungsgrad unserer neuen Landsleute schließen könnte, wenn nicht ein großer Teil dieser Schulen leer stände oder zu anderen Zwecken verwendet würde.

Unfern der Ortschaften liegen die Begräbnisstätten, die weithin an ihren hohen Baumgruppen zu erkennen sind. Auch Tempel findet man viel­fach in oder bei den Dörfern; doch werden diese Gotteshäuser nicht sonder­lich heilig gehalten, denn man stellt sie den durchreisenden Fremden bereit­willigst als Quartier zur Verfügung. Wenn es an Raum zur Unterbringung der Feldsrüchte mangelt, so wird ohne weiteres der Tempel benutzt. Die Priester selbst verwenden auf ihre Landwirtschaft mehr Zeit und Mühe als auf ihr eigentliches Amt.