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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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in Europa auf sich selbst angewiesen ist. Leute mit Geld, die mit phantastischen Hoffnungen, bald reich zu werden, herauskommen, taugen hier nichts, wenn auch unter solchen der eine oder der andere bald einschlagen mag. Ein Mann, der nach Veräußerung seines Hab und Guts einige tausend Mark sein Eigen nennt und die Ausreise, Anschaffungen usw. bestreiken kann, scheint mir größere Gewähr der Seßhaftigkeit und des Erfolges zu geben als der den der Besitz größerer Mittel beweglicher und anspruchsvoller macht. Dieses Land will in langsamer, zäher Arbeit entwickelt sein, landwirt­schaftliche Kenntnisse sind unerläßlich. Daß die Frau von Anfang an dem Siedler nicht fehlen darf, braucht kaum erwähnt zu werden; Familien, selbst mit Kindern, würde ich Junggesellen vorziehen.

Aus demTropenpflanzer" 1905.

13. Cin ^LiLrcibenff in Oeutlck-Oltcifrjkci.

Es war im wunderschönen Monat Mai, als ich, so plaudert die Verfasserin, an einem sonnenhellen Nachmittag auf der Barasa bebaglich in meinem langen Stuhle ausgestreckt lag und träumend in das Wachsen und Werden unseres Gärtchens hineinschaute. Rosen, Veilchen und Heliotrop blühten und dufteten mit rosafarbenen Nelken und aus der Wildnis hierher verpflanzten Lilien um die Wette. Granaten und Oleander hatten dicke Knospen angesetzt, Chry­santhemen, Cannabüsche und Begonien standen im vollsten Blumenflor, denen sich schüchterne Stiefmütterchen zugesellten. Die Barasabalken waren von Grenadellaranken überwuchert. Neben mir auf dem Tisch stand eine Ton­schale mit aus Samen gezogenen, üppig blühenden Alpenveilchen. Die Kasuarinen kosten leise wispernd miteinander, während naschhafte Spatzen sich schwatzend und zeternd auf der mit Früchten bewachsenen Maulbeerhecke ihre Abendmahlzeit suchten. Mein kleiner Terrier lag schlafend neben mir auf dem Stuhl, während ich eine Näherei in der Hand hielt, die heute gar nicht vorwärts kommen wollte. Die Kaffeestunde nahte heran und mit ihr betrat der Bursche mit dem Kaffeegeschirr die Barasa. Beim Geklapper des Porzellans hob mein kleiner Hund schnuppernd den Kopf, legte ihn aber sogleich wieder auf die Pfoten zurück. Inzwischen neigte sich der Tag zur Rüste. Scheidend erglühte die Sonne über den Kuppen der Berge und hüllte den Himmel in ein wahres Flammenmeer ein. Kleine Eidechsen liefen spielend an der Hausmauer aus und nieder, ein hellgrünes Vögelchen in der Größe eines Finken hatte sich zu mir unter die Barasa verirrt und flog erschreckt und geängstigt in den Abendsonnenschein zurück. Von fern tönte Schellen­geläut herüber, es klang, als glitten Schlitten durch schneeigen Forst. Ich spähte lauschend durch das auf der Barasa befindliche Rankenfenster in die Landschaft hinaus, in der vorläufig nichts zu entdecken war. Um eine Weg­biegung herum zog sich schließlich ein langer wunderlicher Zug, der seine Schritte zu uns herunterlenkie. Die Burschen waren auch durch das Geläut nach vorn gelockt und jubelnd und springend riefen sie ein über das andere MalNgoma, Ngoma".

Als der Zug in unsere Straße eingebogen war, nahmen die Burschen die Spitze und liefen außerhalb des Gartenzaunes entlang auf den Hof, die