Druckschrift 
Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
Entstehung
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

schlagen sie mit den Schwingen gegen die nassen Blätter, daß der Nachttau in großen Tropfen auf mein Zeltdach trommelt.

Ich trete hinaus vor mein Zelt, wo der jüngere Bursche inzwischen schon Eimer und Waschschüssel im nahen Flusse gefüllt und den Frühstücks­tisch auf der anderen Seite des breitästigen Baumes herzurichten begonnen hat. Vor mir laber in gemessener Entfernung, damit mich nicht der Rauch der zahlreichen Herdfeuer belästigt! stehen in drei konzentrischen Halbkreisen etwa 50 Zelte und Grashütten, die je drei bis vier Leute beherbergen. Das erwachende Lager wer malt mit das Bild? Hundert blutrote, in den ersten Strahlen der Morgensonne fast zu stark leuchtende Flecken auf grünem Grunde das sind die Decken meiner Leute, in die sie jetzt kälteschauernd ihre nackten Körper fest eingepackt haben; denn der Neger liebt es, auch wenn er noch so viel Zeug sein eigen nennt, hüllenlos unter der Schlafdecke zu liegen. Das dehnt und reckt und biegt und rekelt und streckt sich, als hätten sie in enger, harter Höhle einen Winterschlaf abgehalten.

Die Sonne steigt, schon brechen wärmende Strahlen durch die lichteren Stellen des Waldes, und die schweren Decken werden von leichterem Zeuge abgelöst; dann eilen die Leute truppweise an den Fluß, um sich den Schlaf aus den Gliedern zu baden und Hunger für die erste Mahlzeit zu holen. Aber bevor sie den vom letzten Abendessen aufbewahrten und flüchtig aufge­wärmten Mehlbrei verzehren, wird erst ein Geschäft verrichtet, dessen Ge­wissenhaftigkeit weiten Volkskreisen in Europa aus Gründen der Gesundheit zur Nachahmung sehr zu empfehlen wäre; ich meine die Pflege der Zähne. Dazu bedient sich der Neger eines Zweigstückes vom Mbnlobaum, das er auf allen Reisen mit sich führt. Der Baum ist im Innern sehr verbreitet, nötigenfalls tut es aber auch das Holz mehrerer anderer Arten. Das Ende des 15 Zentimeter langen Stückes zerkaut er, bis es einem Pinsel ähnlich faserig geworden ist, und mit dieser leicht in Wasser befeuchteten Bürste reibt er eine halbe Stunde lang jeden seiner 32 Zähne mit senkrecht geführten Strichen sorgfältig ab. Das ist das ganze Geheimnis, dem die Neger ein weißes, gesundes und kräftiges Gebiß verdanken, obgleich sie es fürchterlich mißbrauchen, und zu den ungewöhnlichsten Verrichtungen benutzen, wie zum Flaschenentkorken, zum Aufdrehen von Schrauben oder zum Zertrennen von

ökUg. Aus Kandt:Ouput Mi".

12. kkiliLälulig lleutlcker kauern in Ollcikrika.

Mit wenigen Ausnahmen haben wir im Njassaland mit entwaldeten Ländern und mit Boden zu tun, der seit uralten Zeiten mit Unterbrechungen Negerpflanzungsland gebildet hat und größtenteils jährlich gebrannt ist. Fast alles Land ist Grasland; der Ausdruck Hochweide ist irreführend, denn alle diese hier in Frage kommenden Gebiete haben ursprünglich Wald und Vusch- wald getragen. Die Weide ist eine Folge alter Negerkultur. Der Boden ist nirgends unbenutzt geblieben; die Folge ist, daß vom ersten Tage an sorgsam geackert und gedüngt werden muß. Das bedingt einen Viehstand, der imstande ist, den Dünger in gehörigen Mengen zu liefern. Dieser Vieh-