129
graue Heidenhütten, sondern meist weiß und bunt getünchte viereckige Häuschen mit einer kleinen Veranda davor. Am Tage sind nur die kleinen Kinder und einige Frauen zu Hause, denn die Leute sind auf dem Felde zur Arbeit. Sie hacken ihren Mais und bewässern ihn, sie bauen Tabak und Zuckerrohr, der Hirt weidet die Herde, die Frauen suchen Brennholz. Abends kehren sie beim. Doch in der Zeit, wo der Mais reif wird, müssen sie oft die ganze Nacht draußen wachen, um die wilden Schweine zu verjagen, die die Pflanzung verwüsten.
Die Sonne geht unter, die Abendglocke läutet. Auf seinem Esel kommt der Missionar von einem Besuch in den Heidendörfern heimgeritten. Dumpf dröhnt das Stampfen der Stößel, mit denen die Frauen im großen Holzmörser den Mais für die Abendmahlzeit zerkleinern. Selbst nach Feierabend ruht noch nicht alle Arbeit. In der Schule versammeln sich die erwachsenen Heiden, um Lesen und Schreiben zu lernen. In der Kirche übt der vierstimmige Chor seine Lieder. Dann wird alles still. Nur unten im Tal rauscht der Fluß, und drüben im Heidendorf ruft die Trommel zu wildem Tanze. Um 9 Uhr bläst der schwarze Trompeter oben bei der Kirche nach allen Seiten: Müde bin ich, geh' zur Ruh. Das hallt über die Missionsstation und die Christendörfer. In den Häusern sammeln sich die Bewohner zum Abendgebet, und bald schläft alles in Frieden.
Missionsinspektor Trittelvitz.
11. liagerlebsn in Oeutleti-Oltakrika.
Meine Leute tun mir während des Marsches leid. Nichts entschädigt sie für die Strapazen. Ein gebahnter Weg durch glutheiße Steppen dünkt ihnen tausendmal schöner als Fluß und Gebirge, wenn man sich ihren Anblick erkämpfen muß. Sind sie aber im Lager, dann haben sie wieder alles vergessen. Dann entwickelt sich rasch ein bewegtes und heiteres Leben. Wenn die Zelte aufgeschlagen sind, beginnt sofort die Tätigkeit, die ihrem Dasein erst einen Inhalt gibt, die Zubereitung des Essens. Sie beschränken sich allerdings meist darauf, die Lebensmittel einzuhandeln und als Sachverständige um die Töpfe zu sitzen, in denen die Weiber den täglichen Mehlbrei zusammenrühren. Gewöhnlich hat jede Speisegenossenschaft, zu der sich nach altem Reisebrauch fünf bis acht Leute zusammentun, ein Mitglied, dessen Frau für alle sorgt. Das Herbeischaffen von Wasser und Brennholz wird meist gemeinsam betrieben, während die Grasbündel, die als Bett dienen, fast ausschließlich von den Burschen besorgt werden. Wenn nun an allen Ecken und Enden die Feuer an den Töpfen emporlecken, wenn es überall brodelt und zischt und dampft, dann kommt wieder Frische und Leben in die ermüdeten Glieder. Die einen gehen in den Wald, um Honig zu suchen, die anderen angeln mit der einfachsten Angel der Welt, einer langen Schnur mit einem gekrümmten und geschärften Nagel am Ende, und bringen mit ihr mannslange Welse und andere Fische ans Land, die sie auf hölzernen Rosten braten. In gleicher Weise behandeln sie das Fleisch der Nilpferde, die ich ihnen schieße. Aber nur einzelne Stämme essen es, während die anderen es
Kolonial-Lesebuch. g