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der auf der Plantage wächst, und fand ihn von gutem Geschmack, so daß er den guten Ruf wohl verdient, den der Usambara-Kaffee daheim schon hat.
Als ich aufbrechen wollte, geleitete mich das gastfreundliche Ehepaar mit ihrem Töchterlein noch ein gutes Stück Weges das Tal hinab, immer zwischen reichlragenden Kaffeebäumen hin bis zu dem Hause, in dem die gepffückten Beeren zubereitet werden. Zuerst wird ihnen ihr dunkelrotes Kleid ausgezogen. Dabei springen aus jeder Beere zwei Kaffeebohnen heraus. Aber um jede Bohne sitzt noch, wie ein enges Hemd ein bitteres Häutchen. Ist auch dieses entfernt, so werden die Bohnen getrocknet und nach ihrer Größe ausgelesen. Schließlich werden sie in Säcke gepackt und wandern auf den Köpfen von schwarzen Trägern nach Tanga, der Hafenstadt, um von dort über das Weltmeer zu uns nach Deutschland zu reisen.
Mit Freude ließ ich mir alles erklären. Ich sah, wie hier, im afrikanischen Urwald, deutscher Fleiß und deutsche Tüchtigkeit eine Arbeit tun, die auch uns in der Heimat zu gute kommt. Dann nahm ich Abschied von Kalunde und ihren Eltern, führte mein Pferd den Berg hinauf und ritt weiter, immer weiter durch den schweigenden Wald.
Missionsinspektor Tritt elvitz.
10. lieben aut einer lIMonsltatlon.
Gebet und Arbeit sind die beiden Boten Gottes, die das Leben auf einer Missionsstation regieren. Man begegnet ihnen dort auf Schritt und Tritt.
Noch früher als die Sonne erwacht der schwarze Küster. Im ersten Morgengrauen steigt er zum Turm der Kirche hinauf, der zwischen Palmen- wipfeln und Lanbkronen emporragt, und zieht die Glocke, um die Schlummernden zu mahnen: Der Tag bricht an! Je Heller es wird, desto deutlicher erkennt man, daß ringsherum grüne Berge sich erheben. Steile Felsen, dunkler Urwald krönen ihre Gipfel. Nach Osten schaut man in ein tiefes Tal, in dem ein Fluß sich brausend hinabstürzt in eine weite, weite Ebene. Ein silberner Streifen blitzt fern an ihrem Rande, der Indische Ozean. Über ihm geht um 6 Uhr die Sonne auf und gießt ihr Morgenlicht auf das Gebirge von Usambara in Deutsch-Ostafrika und über die freundliche Missionsstation, die um die Kirche sich lagert.
Noch einmal ertönt die Glocke in drei kurzen Schlägen. Nun wird es lebendig vor den Häusern der Missionare und in den Dörfern der schwarzen Christen unten im Tal. Muntere Kinder und bedächtige Alte, die Männer in langen weißen Hemden, die Frauen in bunten Tüchern, aus denen vom Rücken der Mutter schläfrig das jüngste Kindchen schaut, so kommen sie den Berg herauf. Still füllt sich die Kirche. Das Morgenlied ertönt. Durch das Wort Gottes und Gebet rüstet sich die Gemeinde zum Tagewerk.
Draußen bleibt die Schar noch einen Augenblick zusammen. Paulus, der Gemeindeälteste, der den langen Ebenholzstab trägt, hat noch etwas bekannt zu machen. Er ordnet an, daß der große Weg, der durch die Christendörfer ins Tal hinabführt, neu gehackt wird, und er bestellt Lastträger,