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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
Entstehung
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satz zu Usambara unterschätzt wurden, daß sie mit der Zeit sich zum frucht­baren Ackerbaulande entwickeln werden.

Wegen mangelnder Absatzmöglichkeit können aber jene Gegenden zu­nächst nur der Viehzucht dienen. Ziegen, Fettschwanzschafe, Esel, Maultiere, stellenweise Kamele, Pferde und Strauße gedeihen trefflich. Leider steht der Rindviehzucht die zur Verbreitung neigende Seuche des Küstenfiebers entgegen. Unsere Unkenntnis dieser Krankheit hat uns eine Menge Fehler begehen lassen, die der Verbreitung der Krankheit Vorschub leisteten.

Wer Afrika seit seinen ersten Anfängen nicht gesehen hat, für den find die dort gemachten Erfahrungen höchst staunenswert, und ich bekenne, daß meine Erwartungen weit übertroffen sind. Auf keinen Fall hat die sich viel­fach breitmachende Unlust an kolonialen Dingen Berechtigung. Wie ich selbst aber zurückgekehrt bin voll Stolz und Freude an dem Wachstum der Kolonie, die ich ja auch als mein Kind bezeichnen kann, so würde es mir eine beson­dere Genugtuung sein, wenn ich im Vaterlande die Überzeugung hätte wach­rufen können, daß Ostafrika mit kräftigen Schritten einer wirtschaftlich und politisch bedeutungsvollen Zukunft entgegengeht. Graf Pfeil. 1905 .

9. Ane tLakksepklcinrung.

Ich ritt durch den regenfeuchten Urwald des Usambaragebirges. An den Bergwänden empor drängten sich Stamm an Stamm die Riesenbäume und verflochten ihre Äste ineinander, als wollten sie sich gegenseitig halten. Dichtes Gebüsch wucherte am Boden. Weiße Blüten, rote Glöckchen leuchteten über den dunklen Blättern. An den Bäumen kletterten Schlinggewächse hinauf und zogen um die Wipfel einen tiefen Schleier. In der Tiefe rauschte über

Felsblöcke der Bergbach. Leicht flog ich den bequemen Weg entlang, der

durch ein Seitentälchen nach dem andern sich windet. Verirren konnte ich nicht, denn auf Stunden ringsum gab es nur diesen einen Pfad durch die Wildnis. Doch plötzlich hielt mein Pferd an. Der Weg gabelte sich. Welches ist nun meine Richtung? Da eindeckte ich ein an einen Stamm genageltes Brett und las darauf die Inschrift: Pflanzung B. Dorthin gerade

wollte ich. Ich folgte der Weisung. Bald lichtete sich der Walv. Ich schaute

hinab in eine Talmulde, deren Abhänge mit Tausenden von Kaffeebäumchen bepflanzt waren. Unten aus dem Grunde leuchtete mir ein freundliches Landhaus entgegen, und langsam ritt ich durch die Pflanzung den Berg hinab.

Ehe Deutschland seine Kolonien erwarb, konnten wir unsern Kaffee nur von den Engländern, Holländern und aus Brasilien kaufen. Als aber der deutsche Kaiser seine Hand auf die großen Länderstrecken jenseits des Weltmeeres gelegt hatte, da hieß es auch in unserem Vaterlande: Warum sollen wir so viele Millionen Mark an fremde Völker zahlen? Wir wollen in unsern eigenen Kolonien Kaffee bauen. Es wurden Handelsgesellschaften gegründet, es wurden Männer nach Afrika gesandt, und eines Tages klangen im Urwald von Usambara die Äxte, um die hohen Bäume zu fällen, denn in dem fruchtbaren Waldboden gedeiht der Kaffee besonders gut. Die um­gelegten Stämme wurden mit Feuer verbrannt. Hunderte von schwarzen