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8. Vöirtsckakllicks Entwicklung in vLutlcti-Oltakrika.
Vor wenigen Tagen von Ostafrika heimgekehrt, empfinde ich lebhafte Genugtuung, alsbald Bericht über die Kolonie erstatten zu können. Wenn mir erlaubt sein soll, meine Eindrücke in zeitlicher Reihenfolge wiederzugeben, wie ich sie empfangen habe, so werde ich mit der Schule beginnen. Ich landete an einem Tage schweren Regens in Tanga und wurde bei einem nur kurzen Umgänge durch die Töne einer wirklich vorzüglichen Musik angelockt, bis zu einem Schuppen, unter dem etwa 40 Schwarze ein schwieriges Stück übten. Wenn diese Leistung zeigt, was aus unseren Negern gemacht werden kann, so beweist sie doch auch die Geschicklichkeit der Hand, die sich hier am Werke befindet. Mein Interesse wurde indessen noch weiter in Anspruch genommen, als ich einen kleinen Knirps von etwa zehn Jahren an einer Schreibmaschine sitzen sah, mittelst der er ein neben ihm liegendes Schriftstück fehlerfrei abschrieb. Eine nur von Negern bediente Buchdruckerei und Buchbinderei besichtigte ich, und in einer Schreinerei konnte ich Möbel aus einheimischem Holze sehen, die bei gefälligem Äußeren jedenfalls zweckentsprechend waren. Diese Tatsachen bedeuten Errungenschaften, die gar nicht hoch genug angeschlagen werden können. Wir lösen in dieser Weise die Aufgabe, die Neger zur Arbeit zu erziehen, und machen aus ihnen nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft. Schon jetzt ist es in unserer Schule in Tanga möglich, dort erzogene Knaben in allerhand Berufen unterzubringen, wo Lesen und Schreiben notwendige Erfordernisse sind. Auf der Post sieht man 12—14jährige Knaben mit dem Sortieren von Briefen beschäftigt, ein niedlicher kleiner Kerl steht mit kindlicher Würde am Telephon, in das er „hier Amt" hineinruft, während er mit der freien Hand am Schaltbrett hantiert. Wir begegnen Negern im Jünglingsalter als Bahnbeamten, die uns die Fahrkarte abnehmen oder unser Gepäck einschreiben; ja, wenn europäische, der Sprache nicht kundige Reisende nach Tanga kommen, kann ihnen von der Schule ein geweckter Knabe gegeben werden, der, die deutsche Sprache fast beherrschend, als Diener und Dolmetscher benutzt werden kann. Erwähne ich außerdem, daß sie bei dieser Erziehung auch gelehrt worden sind, bescheiden zu bleiben, so ist das für den Kenner das höchste Lob, welches man der Tätigkeit der Leiter jener Schule, der Herren Rektor Blank und Lehrer Ramlow, spenden kann.
Einen sehr angenehmen Eindruck empfängt der Reisende von dem Äußeren der Hafenstädte unserer Küste. Wo früher Steppe war, dehnen sich breitstraßige, durch weitausladende Schattenbäume gezierte Städte aus. Schon findet man im Durchschnitt nette, freundliche Häuser, vereinzelt sogar schon solche, die auf die Bezeichnung Villa mit Recht Anspruch erheben dürfen. In der Abendkühle sieht man eine elegante Welt sich umherbewegen.
An der Stelle, wo noch vor 20 Jahren mein Lagerfeuer im dichten Busch brannte, erhebt sich heule ein schönes Gotteshaus, und wo ich damals mein Segelboot auf den Strand schob, liegen heute die Werkstätten der Flottille, die, wenn erforderlich, vielleicht imstande wären, ein vollständiges Kriegsschiff zu bauen. Entlang der den Hafen umkreisenden Kaiserstraße ragt eine Reihe stattlicher Gebäude, in ihnen vollzieht sich die Verwaltung des Schutzgebietes. Obwohl wir in den Tropen weilen, ist von tropischer Lässigkeit keine Spur zu finden, überall gewinnt man den Eindruck, daß anhaltend gearbeitet wird. Das nimmt nicht wunder, wenn man den Gouverneur selbst