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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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Rechts von mir kommt mit krumm gezogenem Rücken eine Schopf- antilope aus dem dichten Unterholz und frißt die in Hellem Grün leuchtenden jungen Blätter ab. Hin und wieder schüttelt sie den Kopf und verscheucht mit den verhältnismäßig großen Lauschern die lästigen Fliegen. Ein Rüssel­hündchen stellt sich auf die Hinterbeine und sieht gleich mir nach der Anti­lope; aber das kleine, braun und schwarz gefärbte Tierchen mit den langen Hinterbeinen und der rüsselartig verlängerten Nase scheint zu wissen, daß ihm durch die Antilope keine Gefahr droht, denn ruhig scharrt es im dürren Laub nach zarten Wurzeln oder Insekten. Hoch oben in den Baumkronen beginnt es zu rauschen, wie wenn starker Wind die Zweige peitschte. Braune Meerkatzen sind es, die, vielleicht durch irgend etwas erschreckt, eiligst von Ast zu Ast flüchten. Geschickt springen sie, oft ganz dünne Zweige mit den Händen greifend, von den höchsten Baumkronen aus niedere Bäume. Nashornvögel werden durch die Affen verscheucht; ihr klagendes ähhdl ähhdl ähhd I ausstoßend, streichen sie ab. Die Schopfantilope äugt scheu nach oben.

Ein Pfiff-und in wenigen Fluchten ist sie im schützenden Unterholz

verschwunden. Eine Affenmutter das Junge hat sich am Bauch fest­geklammert ist zurückgeblieben und blickt scheu seitwärts. Sie muß erkannt haben, daß keine Gefahr mehr droht, denn ruhig hockt sie auf einem dicken Ast nieder und beginnt Mutterpflichten zu erfüllen.

Bunte Schmetterlinge, in allen Farben schillernd, umflattern ein kleines Stückchen Zuckerrohr, das von den Trägern ausgesogen und weggeworfen wurde, um noch die letzten süßen Bestandteile mit ihrem spiralförmigen Rüssel daraus zu saugen.

Über das trockene Laub kriecht langsam eine Waldschnecke dahin, einen langen, glänzenden Streifen hinterlassend. Bei ihrer Beobachtung muß ich eingeschlafen sein, denn lautes Rufen meiner Träger weckte mich aus dem Schlaf, und fort sind alle Bewohner des Urwaldes, die vorher mein Auge erfreut hatten. Georgius. Aus derUsambara-Post".

b. ^alfftdirtsckakt in Oeulsctl-Vstatrjkci.

Während gewisse afrikanische Waldprodukte, wie Kautschuk, Gerbstoffe, Faserstoffe u. a. schon seit längerer Zeit auf dem europäischen und außereuropäischen Markt Absatz finden, hat sich das Holz selbst erst in jüngerer Zeit Eingang verschafft. Die Nachfrage erstreckt sich im besonderen aus feineres Bau- und Möbelholz, auf Zierhölzer, Eisenbahnschwellen, Gruben­hölzer u. a. m. Als Absatzgebiete kommen vermöge der günstigen Lage Ostafrikas zum Weltmärkte nicht etwa nur Deutschland und England in Be­tracht, sondern auch vor allem Südafrika, Zauzibar, Kleinasien, Ägypten, Nordafrika und Spanien, Auch wird mit zunehmender Entwicklung Ost­afrikas der Verbrauch im eigenen Lande nach und nach größere Ausdehnung gewinnen.

Nach den bereits gesammelten Erfahrungen bietet die Gewinnung der Hölzer keine nennenswerten Schwierigkeiten. Die Eingeborenen lassen sich

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