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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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Fast hätte ich auf diesem Jagdgange des Wildes vergessen, denn eine Über­raschung wurde mir zuteil, die überwältigend war.

Schon auf dem letzten Teile des Weges gegen den Fluß hin, überall dort, wo der kahle Sandstein zutage tritt, fanden sich einzelne Stücke eines eigenartigen Gesteins, die fast wie versteinerte Holzsplitter aussahen. Ich glaubte aber zunächst, nur ein wunderliches Spiel der Natur vor mir zu haben. Jetzt lockte mich ein Rudel von Leierantilopen den Hang hinab, dem Flußbette zu; die Tiere hatten Witterung bekommen, und, vorsichtig von Zeit zu Zeit rückwärts äugend, zogen sie auf den freien Weideflächen entlang, so daß dem Schützen jede Deckung fehlte. Endlich aber äsen sie wieder sorg­los unter einem etwas höher gelegenen Dickicht. Auf weitem Umwege gelingt es uns, bei gutem Winde den Schutz dieses Gebüsches zu erreichen, aber ein ganz erstaunlicher Anblick läßt mich hier Hunger, Jagd und Wild vergessen. Baum an Baum liegen dort, dahin gestreckt, wie sie einst der Orkan der Ur­zeit niederwarf, gewaltige Riesen des Urwalds, Zeugen einer längst ver­gangenen Zeit, als des Menschen Fuß noch nicht die unsichere Erdrinde trat. Zu hartem Kiesel sind sie geworden; deutlich aber kann man die Wurzel- knocken und mächtigen Astaugen erkennen; ja, wer sich die Mühe machte, könnte leicht die Jahresringe zählen, um ihr Alter zu bestimmen, das sie erreichten, ehe in grauer Vorzeit ein gewaltiges Unwetter sie entwurzelt zu Boden streckte. Nicht gesplittert sind sie gebrochen, sondern glatt wie ein gefallener Säulenschaft. Überall wo der fahlgelbe, weiche Sandstein frei­gespült ist, lagern sie Stamm an Stamm in gewaltiger Länge und mächtigem Umfang, ein ganzer Urwald in Stein, der die Gedanken fortlockt von der Gegenwart und sie über Jahrtausende Hinschweifen läßt bis in die Jugend­zeiten unseres Erdballs.

Achtlos sind meine schwarzen Begleiter daran vorbeigegangen, und auch dem alten Mehemed bin Chalif haben diese Trümmer noch nie Kopf­zerbrechen gemacht. Als ich ihn darum frage, blickt er erstaunt auf den neugierigen Fremden, der alles erfahren möchte.Allah ist groß, er wird es wissen, warum die alten Bäume dort liegen." ^ Wilhelm Arning.

4. Ein rätselvoller ?luh.

Nachdem wir in dem Lande südlich von Tabora vier Stunden durch die gleiche Landschaft wie an den vorhergehenden Tagen gezogen waren, ab- wtchselud durch Steppenwald und ausgedehntes Grasland, sing das Bild sich zu verändern an. Das gelbe glänzende Hochgras verschwand und ver­wandelte sich in frischen grünen Rasen, in dem eine weiße Blume ansehnliche Beete bildete; auf kleinen Hügeln standen hohe, schattige Bäume von Tausen­den von dunklen Schlingpflanzen umsponnen, und nicht zu fern sah man eine große Reiherschar spielend in den Lüften schweben. Über den Bäumen, die hier und da in Gruppen oder in Baumschulen geordnet, die Steppe unter­brachen, lag ein Hauch von Frische und Duft, der mir etwas Ungewohntes war und meine Gedanken in weit zurückliegende Zeiten und Länder ablenkte. 20 Minuten später stiegen wir einen steilen Abhang hinab und befanden uns