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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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muß. Denn nicht bloß im Lesen, Schreiben und Rechnen werden die Schüler unterrichtet, sondern man bildet sie auch zu tüchtigen Maurern, Tischlern und Holzarbeitern aus und hat eine große, gut eingerichtete Druckerei geschaffen, in der die halbwüchsigen, schwarzen Jungen eine eigene Zeitung, dieUsam- bara-Post", setzen und drucken und eine Menge von Druckarbeiten für Regie­rung und Private anfertigen.

Um den Wert alles dessen richtig einschätzen zu können, was hier in so kurzer Spanne Zeit geschaffen worden ist, muß man bei alledem bedenken, daß kaum anderthalb Jahrzehnte vergangen sind, seitdem die deutsche Flagge hier gehißt wurde, und nach Niederwerfung des Araberaufstandes und Unter­drückung des Sklavenhandels die ersten Anfänge einer Kulturarbeit begonnen wurden. Aus dem Buche von Hermann Paasche,Deutsch-Ostafrika."

2. Tabora.

Tabora liegt im Mittelpunkt einer Landscheibe, über die einige Stunden weit nach jedem Pfeil der Windrose zahlreiche Gehöfte, Weiler und kleinere aber auch größere Dörfer regellos ausgestreut sind. Von dem Grunde der Scheibe erhoben sich hier und da niedrige Hügelketten, die meisten davon sehr kahl und viele mit Granittrümmern besät, die fast auf allen Seiten die Stadt in weitem Kranze umgeben. Als ich nach Norden aufbrach, traf ich Felder, auf denen Mais und Maniok standen, helle Bananenhaine und dunkle Mango- gärten, dazwischen Grasflüchen oder verwachsenes, verwildertes, unbenutztes Ackerland, hier und da eine Anmut und Kraft vereinende Dattelpalme oder breitästige, wilde Feigenbäume. Bald zeigten sich versprengte, freiliegende Hütten oder größere, von bohen Euphorbienhecken eingehegte Gruppen, aus deren Dunkel der dumpfe Ruf der Wildtauben oder das Flöten einer rot- bäuchigen Drosselart schallt, bald Rinderherden, von mageren Watussi-Hirten mit langen Stäben behütet; oder Kleinvieh unter der Aufsicht von nackten Bübchen, die den Ziegen immer wieder mit Steinwürfen die Maisfelder ver­leiden müssen. Dazwischen erklang von irgendwo her der Schlag von Schmiede- hämmern oder der Ton von Axthieben oder das Stampfen der Stößel in den Getreidemörsern, Rufen, Singen, Kindergeschrei und Hundebellen. Das ist das Bild und die Stimmung der Landschaft, wie sie die ersten Tage meines Marsches mir boten.

Mein Tisch steht auf einer geräumigen Veranda, die durch hohes, dichtes Strohdach vor jedem Sonnenstrahl geschützt ist. Sie nimmt die ganze, mehr als 20 na lange Vorderseite eines für zentralafrikanische Begriffe un­erhört stattlichen Hauses ein, das ein unternehmender deutscher Händler am Markte von Tabora erbaut hat. Wenn ich von meinem Schreibtische über die niedrige Brüstung Hinwegblicke, so sehe ich dicht unter mir eine breite, saubere Straße, die auf beiden Seiten von den Markständen begleitet wird, einfachen offenen Hallen, deren roh gezimmerte Holzpseiler das aus Gras­bündeln und Bast dicht gefügte Schutzdach tragen. Dicht daneben dehnt sich ein Hüttenviertel aus, von dem ich allerdings trotz meines erhöhten Standpunktes nur die Dächer sehe, weil hohe Zäune meinen Blicken das Übrige verbergen.