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wert. In Amerika wenige Arten, die jede für sich in Gebieten von größter Ausdehnung vorkommen, in Afrika sehr viele, von denen jede nur einen kleinen Ausschnitt der Erdfläche belegt hat. Während in Asien die Lianen nur einen Zuschuß zur Marktware geben, spielen sie in Afrika die Hauptrolle. Es sind in der Mehrzahl Schlinggewächse, die von frühester Jugend an oder erst später, nachdem sie eine gewisse Erstarkung erreicht haben, in Wäldern und Steppengehölzen mit Hilfe ihrer windenden Achsen oder besonderer Kletterwerkzeuge an Bäumen und Sträuchern in die Höhe gehen, um zu möglichst uneingeschränktem Lichtgenusse zu gelangen. Die Art der Gewinnung des Kautschuks aus allen diesen Gewächsen ist eine sehr verschiedene. Bald geschieht sie durch einfaches Gerinnenlassen der Milch am Stamme selbst oder auf der mit ihr bestrichenen Haut des sammelnden Negers, bald durch Kochen der Milch, bald durch Hinzufügen saurer Pflanzen süfte oder von Salzwasser.
Neben den Lianen hat in neuerer Zeit auch ein Baum des schwarzen Kontinents sich als Kautschukspender hervorragend bemerklich gemacht, die Xiekxin slasticm. An ihn knüpfen sich darum die größten Hoffnungen, weil man in seinem Kautschuk ein Pflanzungserzeugnis der Zukunft in Afrika sieht. Dank den Bemünngen des verdienstvollen ehemaligen Leiters des botanischen Gartens in Victoria, Pros. Dr. Preuß, wurde Xiekxia olastion zur künstlichen Anpflanzung gebracht. Augenblicklich reifen schon Hunderttausende von jungen Bäumen dem ertragfähigen Alter von 7 Jahren entgegen.
So vielversprechend und umfassend alle diese Anpflanzungen auch sind, noch ist es in Dunkel gehüllt, ob die Bäume, die gleichsam zwangsweise zur Kulturpflanze gestempelt wurden, sich auf Jahre, auf ein Meuschenalter hinaus werden anzapfen lassen. Es gilt, sie zu studieren, unablässig neue Erfahrungen zu sammeln und aus jedem Mißerfolge neue Einsichten zu gewinnen. Auch in der tropischen Landwirtschaft müssen Wissenschaft und Erfahrung in der Natur zusammenarbeiten. Nach Volkens 1905.
5. lioprci und clio Kokospalme.
Die Kopra ist nichts anderes als der von der Sonne leicht angetrocknete und dadurch versandfähig gemachte Kern der Kokosnuß. Früher wurde aus ihrem fleischigen Kern nur Öl gewonnen, das sogleich an Ort und Stelle ausgepreßt und zu Schiff versandt wurde. Dabei kam es des öfteren vor, daß das Ol auf dem langen Wege ranzig wurde. Man hatte verschiedene Versuche gemacht, diesem Übel abzuhelfen, doch mit wenig Erfolg. Endlich gelang es dem deutschen Konsul Weber auf Samoa, eine ebenso einfache, wie schadensichere Behandlungs- und Verschiffungsweise ausfindig zu machen. Statt nämlich den aus der Nuß in Stücken herausgeschnittenen Kern in die Ölpresse zu tun, trocknete man ihn jetzt leicht auf einem einfachen Holzgerüst an der Sonne. Dadurch wird er haltbar und tauglich, aufgespeichert und versandt zu werden. Freilich trocknet er bei längerem Lagern immer noch etwas mehr ein, wodurch er ein wenig an Gewicht und an Ölgehalt verliert;