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4. Die wicktjglteli Kciutlckuk-SencicklL.
An der Spitze aller Kautschuksorten, sowohl inbezug auf die Güte als auf die zur Verwendung gelangende Menge steht der Parakautschuk, so genannt nach dem brasilianischen Hafen, von dem aus er fast ausschließlich in die Welt geht. Gewonnen wird er aus der Milch eines Wolfsmilchgewächses, eines Baumes mit dem botanischen Namen Ilovsn bramlieusis. Seine Verbreitung ist eine im Vergleiche zu anderen Bäumen tropischer Wälder ganz ungeheure, sie erstreckt sich von der Mündung des Amazonenstromes bis zu seinen Quellgebieten und umfaßt dazu das ganze gewaltige Becken, das seine west-südlichen Zuflüsse durchströmen. Der hochwertigste Parakautschuk, von dem ein Kilo in Hamburg mit 12,40 Mk. bezahlt worden ist, stammt ausschließlich aus der Milch der Hovea brasiliormis und wird durch ein Räucher- verfahren gewonnen, das auf die Herstellung dünner, später zu einem großen schwarzen Brote zusammengepreßter Platten hinausläuft. In deutschen Kolonien ist die Hevea in nennenswerter Menge bisher nur von der Neu-Guiuea- Kompagnie angepflanzt worden. Diese besaß 1905 rund 16000 solcher Bäume, etwa 1000 möchten in Kamerun in den Pflanzungen zerstreut stehen.
Brasilien ist in der glücklichen Lage, noch zwei andere Kautschnkbüume verwerten zu können, die nicht seinen Waldgebieten, sondern der Steppe sich nähernden trockeneren Landstrichen angehören. Der eine, Ickarriliot dlaiüovii liefert den Ceara, der andere den Pernambuco-Kautschuk. kckarckstot 6InLiovii ein Baum, der selten mehr als 12—15 in Höhe erreicht, ist besonders im Hinterlande der Provinz Ceara verbreitet, in einem Gelände, das oft geradezu wüstenartiges Gepräge trügt. Was diesem Baume seine Bedeutung gibt, ist seine ganz außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit an fremde Klimate. Bereits vor 30 Jahren wurde er nach Singapore überführt und gelangte von dort nach Indien, Ceylon, Ostafrika. Als ich vor 12 Jahren in Tanga weilte, sah ich in der Umgebung dieser Stadt bereits allenthalben starke, reichlich Frucht tragende Stämme; aber sie hatten trotz ihres vorzüglichen Gedeihens einen Fehler von allerdings schwerwiegender Art, sie gaben beim Anschneiden keine Milch, und damit keinen Kautschuk. Man gab die Kulturen auf. Neuerdings unterhält wieder die Ostafrikanische Gesellschaft eine Pflanzung von 250000 Bäumen, und mehrere andere Gesellschaften haben sich gleichfalls auf die Manihot-Pflanzung geworfen. Zwei Umstände haben diese Änderung der Anschauungen bewirkt, einmal eine planmäßige Ergrün- dung der Fragen, wann und wo und wie man einen Baum anzuschneiden hat, um die Milch fließen zu machen, und dann die Erwägung, daß kaum ein anderer Baum in Steppengebieten so mühe- und kostenlos zu vermehren und aufzuziehen ist wie dieser. Rechnet man für ihn auch nur 100—25)0 Z auf Baum und Jahr, wie es die Erfahrungen der letzten Jahre erwarten lassen, dann kommt man immerhin auf einen Ertrag, der durchaus lohnend erscheint. Es ist anzunehmen, daß ein sparsam wirtschaftender Pflanzer auf das Hektar einen Bruttoertrag von 760 Mk. herausschlägt. Für Ostafrika ist darum eine Vermehrung der Manihot-Bestände nur zu empfehlen.
Von allen Kautschukarten, deren sich der Handel bemächtigte, ist die älteste eine Sorte, die in Mittelamerika ihre Heimat hat. Sie stammt zumeist von einem Baum, den der Botaniker OastMou slaotiea nennt und zur Familie der Manlbeergewächse zählt. Der genannte Baum ist einer der