Die Eigenart russischer Volkswirtschaft zeigt sich auch heute noch in dem Überwiegen von Landbau und Horsten. Zwar sind im Laufe der letzten Jahrzehnte mit Hilfe ausländischen Kapitals und ausländischer Arbeitskräfte bedeutende Gewerbebetriebe auch in Rußland entstanden, und die Ausfuhr gewerblicher Erzeugnisse hat sich insbesondere nach den Balkanländcrn entwickelt, einstweilen bleiben aber noch land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, vor allem Getreide und Holz, die Hauptgcgenstände der Ausfuhr, während die Einfuhr in der Hauptsache Gegenstände ausländischen Gewerbefleißes umfaßt. Sicherlich liegen in dem russischen Staatsgebiet mit seinen großen, dem Ackerbau und der Horstwirtschaft noch dienstbar zu machenden Hlächen und mit seinen mineralischen Bodenschätzen noch große Möglichkeiten für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser Aufschwung kann aber zu einer dauernden Blüte des Volkes erst dann führen, wenn es die gegen Westen gerichtete Machtpolitik aufgegeben hat und zunächst einmal daran geht, sich eine innere Kultur zu erringen, die allein die Grundlage für die Verwertung der von der Natur einem Lande gegebenen Schätze bildet.
Frankreich.
Der westliche Nachbar Deutschlands bildet in fast allem einen schroffen Gegensatz zu dem östlichen. Sowohl der Staatsverfassung nach, wie in Volkstum, wirtschaftlicher Entwicklung und Kultur bestehen tiefgreifende Unterschiede zwischen Rußland und Frankreich. Gleichwohl hat sich seit alten Zeiten slawisches und romanisches Volkstum meistens besser verständigt als das deutsche und eines von ihnen. Dies muß um so mehr auffallen, als Deutschland und Frankreich auch geschichtlich seit einer langen Reihe von Jahrhunderten eng miteinander verbunden sind und im Grunde genommen aus der gleichen «Quelle stammen. Waren sie doch bis zu Karl dem Großen in einem Reiche vereinigt! Vergleicht man die Summe von Äulturwertcn, die das Deutschtum von Frankreich empfangen hat, mit derjenigen, die es den