Fetischismus, die Religion der Eingeborenen Afrikas.
Der Religion nach sind die meisten Eingeborenen Afrikas Fetischdiener. Das Christentum hat in Afrika noch wenig Bekenner gesunden, mehr der Islam. Doch ist bei denen, die sich Christen oder Mohammedaner nennen, die Bekehrung weniger eine innere als eine äußerliche. Dr. Fischer erzählt: „Ich hatte einen mohammedanischen Sklaven in meiner Karawane, dem es an der Käste (Sansibar) niemals einfiel, zu beten. Als Nur in einen: Negerdorfe einige Tage rasteten, war ich erstaunt zu sehen, wie er sich mittags und abends in die übliche Positur stellte und vor aller Augen die vorschriftsmäßigen Gebetnbnngen machte und zwar nur aus dem Grunde, um den „Wilden" zu zeigen, daß er doch etwas mehr sei wie sie. Andererseits kommt es auch vor, daß mohammedanische Neger, welche an der Käste der alkoholischen Getränke sich enthalten, auf der Reise gemütlich mit den „Wilden" kneipen . . . Ich habe mich während meines siebenjährigen Aufenthaltes in Ostafrika vergeblich bemüht, einen bekehrten Neger zu finden. Meines Wissens existierte in ganz Afrika wenigstens ein solcher Mensch, nämlich der von Stanley bekehrte, vor kurzen: gestorbene König Mtesa von llgunda, der aber hernach Mohammedaner wurde und später wieder ein Heidenleben führte." Als Fischer einst die Missionsstation Rabai besuchte und sich erkundigte, wieviel sich bei der Mission angesiedelt hätten, bekam er zur Antwort: „Nicht ein einziger, denn die Eingeborenen lieben den Palmwein zu sehr, und den dürfen sie bei uns nicht trinken."
Die Religion der Fetischdiener nennen wir „Fetischismus." Dieses Wort kommt von dem portugiesischen „keitchos", welches Amulette und ähnliche halb heilige, halb profane Schmucksachen bezeichnet. Nach der Ansicht der Neger sitzt oder kann in jedem sinnlichen Gegenstände ein Geist sitzen und zwar in ganz unscheinbaren oft ein sehr mächtiger. Der Geist ist nicht an das Ding gebunden, sondern hat nur seinen gewöhnlichen Sitz in ihm. Der Neger trennt in seiner Vorstellung nicht selten den Geist von seinem sinnlichen Gegenstände; das gewöhnlichste aber ist, daß er beide zusammenfaßt, dieses Ganze ist der Fetisch. Die Neger der Goldküste glauben, daß diese Geister (Wong) „zwischen Himmel und Erde wohnen, Kinder miteinander zeugen, sterben und wieder aufleben." Die Geister sind die Kinder eines großen Gottes, der alles erschaffen hat und alles erhält; dieser sendet seine Geister auf die Erde, damit sie seine Befehle ausrichten. Die