in Afrika verbreitet. An der ganzen Westküste Afrikas ist es gelungen, den Sklavenhandel zu unterdrücken, nicht aber im Osten. Deutsche und englische Kriegsschiffe umlagern zur Zeit die ostafrikanischen Küsten, um diesem Unheil- und verderbenbringenden Treiben der Araber ein Ende zu bereiten. Noch in letzter Zeit sind jährlich über 100 000 Sklaven von der Ostküste ausgeführt worden. Daher die menschenleeren Gegenden, die geringe Bevölkerung in oft sehr fruchtbaren Gebieten. „Es ist unmöglich," sagt Livingstone, die Übel dieses Handels zu übertreiben. Es schaudert mir, wenn ich an das Gesehene zurückdenke. Wo ich im Schire-Gebiet 18 Monate vorher blühende Dörfer und fröhliche Einwohner erblickte, die herbeieilten, ihre Waren anzubieten, fand ich nur verödete Flächen, vom Hunger abgezehrte Menschen, nicht mehr zahlreich genug, die Toten zu begraben, deren sich die Krokodile bemächtigen. Überall menschliche Gebeine. Das waren die von den Arabern abgeschlachteten Opfer, die nicht mehr marschfähig gewesen. Wir fanden verlassen am Wege Trupps von Sklaven, die vor Hunger nicht mehr weiter konnten, darunter ganz junge. Andere waren an Bäume angebunden und tot." Im Anfange des Jahres 1889 ist der Hauptmann Wißmann, der als Reichskommiffar für Ostafrika ernannt worden ist, im Auftrage der Reichsregierung mit einer zahlreichen Expedition dorthin gesandt worden, mit dem Auftrage, in den durch den Vertrag, vom 28. April 1888 unter Verwaltung der Deutsch - Ostafrikanischen Gesellschaft gestellten Besitzungen des Sultans von Sansibar, sowie in den benachbarten, unter deutschem Schutze stehenden Gebieten des Festlandes die zur Bekämpfung des Sklavenhandels und zum Schutz der deutschen Interessen erforderlichen Maßregeln zu treffen, für Herstellung und Erhaltung der Ruhe und Ordnung in den bezeichneten Besitzungen und Gebieten durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel Sorge zn tragen. Hoffen wir, daß die Ruhe dort bald wieder hergestellt werde, daß die Kämpfe gegen die Araber und die von ihnen aufgereizten Eingeborenen nicht vergeblich gewesen sind und es den dort vereinigten Mächten gelingen möge, auch in diesen Gebieten den Sklavenjagden ein Ende zu machen, damit der jetzt darnieder- liegende Handel wieder aufblühe und in die verwilderten, verwüsteten und menschenleeren Gegenden wieder einkehren Friede, Ordnung und Leben!
Jas Gebiet des Sultans von Sansibar.
Das Gebiet des Sultans von Sansibar ist ein schmaler Küstenstrich von 10 Seemeilen Breite und reicht vom Kap Delgado bis zum deutschen Witulande. Außerdem übt der Sultan noch einige Herrschaft aus in den weiter nördlich gelegenen Orten Kismajn, Barawa, Markn, Makdischu und Warscheich. Wenn auch der Küste die Buchten und Einschnitte fehlen, so ist sie doch insofern günstig, als eine ganze Anzahl Inseln vorgelagert sind. Die wichtigsten sind: 1. Kilon, 2. Mafia, 3. Sansibar, 1600 giern, 100—200000 Einwohner. Die ganze Insel ist 85 kin lang und 16—22 km breit und wird von niedrigen, teilweise 100 in hohen Hügeln durchzogen, die mit einer außerordentlich üppigen Vegetation bedeckt' sind. Der Strand ist sandig und wird
Die deutschen Kolonieen. 5