Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1898) Die Thierwelt Ost-Afrikas und der Nachbargebiete : wirbellose Thiere
Entstehung
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RmzorODA.

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nur »Ostafrika«. Das andere Glas enthielt getrockneten Schlamm aus einem Tümpel im trocknen Bachbett bei Bibisande (liegt zwischen Tabora und dem Victoria-See); derselbe wurde am 16. Juli 1890 gesammelt. Trotzdem habe ich noch jetzt nach 6 Jahren eine ganze Anzahl Rhizopoden aus einer Infusion dieses Schlammes mit gekochtem Wasserleitungswasser erhalten. Bei diesen Formen steht in der Liste »Infusion Bibisande«. Einige leere Rhizopoden- gehäuse fanden sich auch in 6 Gläsern mit Auftrieb; sie waren wahrscheinlich mit Wasserpflanzen an die Oberfläche gestiegen.

Von grosser Wichtigkeit für die Bestimmung und Beschreibung mancher Formen war eine beträchtliche Anzahl sorgfältig ausgeführter Zeichnungen, die Dr. Stuhlmann selbst in Afrika nach lebenden Rhizopoden angefertigt hat. In der Liste wird dies stets erwähnt werden; auch habe ich Bemerkungen Dr. Stuhlmanns, wenn sie für die Beschreibung der Formen von Wichtigkeit schienen, hier wörtlich citirt.

In der Anordnung der Formen bin ich Buetschli*) gefolgt.

Amöbaea.

1 . Amöba proteus Pall.

Diese schöne grosse Amöbe habe ich selbst in dem mir vorliegenden Material nicht gefunden, doch lässt sich aus zwei sorgfältig nach dem Leben ausgeführten Zeichnungen Dr. Stuhlmanns mit grosser Wahrscheinlichkeit schliessen, dass diese P'orm Vorgelegen hat.

Bemerkungen Stuhlmanns: »Starkes Fliessen des Endoplasmas; dasselbe ist dicht mit stark lichtbrechenden Körnern erfüllt; Ectoplasma hyalin; pulsirende Vacuole vorhanden; ein Kern, oval mit stärker lichtbrechenden Körnern erfüllt.«

P'undnotiz: Bukoba, 14. April 1892.

2 . Amöba verrucosa Ehrbg.

Diese charakteristische Form, die sich durch sehr zähes, oft Falten und Buckel bildendes Ectoplasma auszcichnet, trat in beträchtlicher Anzahl in der Infusion aus Bibisande auf. Die mir vorliegenden Individuen stimmen mit hiesigen vollkommen überein bis auf die Grösse. Die afrikanischen waren viel kleiner als die europäischen, durchschnittlich 0,015 mm, was vielleicht auf die ungünstigen Ernährungsverhältnisse in der Infusion zurückzuführen ist.

P'undnotiz: Infusion Bibisande.

3 . ? Amöba guttula Duj.

In der Infusion aus Bibisande trat in grosser Menge eine kleine ovale Amöbe auf. Sie erreichte kaum die Grösse von 0,01 mm und besass einen kleinen bläschenförmigen Kern; das hyaline Ivctoplasma ging bei der Bewegung voraus; im hinteren Theile des Weichkörpers befand sich eine kontraktile Vacuole. Diese Eigenthiimlichkeiten charakterisiren die A. guttula, doch weiss ich aus eigenen Zuchtversuchen, dass auch Jugendstadien anderer Rhizopoden schwer davon zu unterscheiden sind; daher das P'ragezeichen.

P'undnotiz: Infusion Bibisande.

*) cf. (). Buetschli, Protozoa in Bronns Kl. u. Ordn. des Thierreichs, 188082. Vol. 1, p. 176.