Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1898) Die Thierwelt Ost-Afrikas und der Nachbargebiete : wirbellose Thiere
Entstehung
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Ludwig Böiimig.

II. Trieladidea.

Die dendrocoelen Turbellarien sind nur durch zwei Arten vertreten, die dem Genus Planaria angehören. Von der einen Art liegen nur einige Zeich­nungen und kurze Notizen vor, von der anderen ausser einem Habitusbilde und Angaben über Form und Färbung drei leider nicht geschlechtsreife Individuen. Ist es oft schon schwierig, zwei unserer einheimischen Tricladen bei Unkenntniss des Geschlechtsapparates zu identifiziren, so ist ein solches Unternehmen bei exotischen Formen, wie ich glaube, fast unmöglich. Ich werde daher vorläufig die beiden Planarien als neue Arten behandeln, derjenige, welcher so glücklich ist, die Heimath der beiden Thiere aufsuchen zu können und Gelegenheit zur Untersuchung genügenden Materials hat, wird es zu entscheiden haben, ob hier faktisch neue Species vorliegen oder nicht.

Planaria venusta n. sp. Fig. II, 12.

Das Vorderende dieser schlanken, lanzettförmigen Planarie ist dreieckig (Fig. n), ziemlich scharf zugespitzt und an seiner Basis in zwei ansehnliche, spitzige, quergestellte Seitenlappen (Tentakeln) ausgezogen. Der hinter den­selben etwas verschmälerte Körper nimmt, wenn auch unbedeutend, an Breite bis hinter die Körpermitte zu, verschmälert sich dann stetig und endet spitz.

Die beiden nach aussen von einem hellen Hofe umgebenen Augen liegen in einer die Tentakelspitzen verbindenden Linie. In der Stuhlmann'schen Skizze erscheinen sie der Medianebene sehr genähert (Fig. 11), erheblich weiter voneinander entfernt (ca. 0,4 mm) sind sie an den konservirten Individuen. Diese letzteren lassen von der eben beschriebenen eleganten Gestalt wenig er­kennen. Ihre Länge variirt zwischen 3 bis 5,5 mm, ihre Breite von 2 bis 2,5 mm, sie haben sich augenscheinlich stark kontrahirt. Das gegen die Ventralfläche eingekrümmte Vorderende ist abgeflacht und von stumpf dreieckiger Form (Fig. 12), die Seitenlappen des Kopfendes sind an dem einen Individuum gar nicht, bei den beiden anderen nur undeutlich wahrnehmbar, das Hinterende erscheint ab­gestumpft. Die Mundöffhung liegt in der zweiten Körperhälfte, einen Genital- porus bemerkte ich nicht.

Die Rückenfläche des lebenden Thieres ist nach Stuhlmann's Angabe graubraun gefärbt, die Bauchseite weiss, die drei mir vorliegenden Exemplare zeigen wohl in Folge der Konservirung eine milchweisse Färbung, nur das bräunliche Augenpigment ist erhalten geblieben.

Um Einsicht in den Bau des Geschlechtsapparates zu erlangen, hellte ich zunächst die Thiere in Glycerin auf, und da dies Verfahren resultatlos war, zer­legte ich ein Individuum in Schnitte, leider auch ohne den gewünschten Erfolg, da keine Spur von Geschlechtsorganen aufzufinden war. Es mangelten nicht nur die ausführenden Organe, sondern auch distinkte Geschlechtsdrüsen Hoden, Keim- und Dotterstöcke suchte ich vergeblich.

Von den mir aus der Litteratur bekannten Tricladen gleicht unsere Planarie der von Kennel*) in Trinidad aufgefundenen Planaria aurita Kennel so auf­fallend, dass die von Kennel gegebene Beschreibung der Gestalt sich ganz gut auch auf PI. venusta anwenden liesse. Auch die Unterschiede in der Färbung sind nicht eben bedeutende. PI. aurita ist »gewöhnlich bräunlich gelb mit hellerer Rückenlinie und Seitenrändern«, manche Thiere sind jedoch auch »dunkler bis braun« gefärbt. In Anbetracht meiner Unkenntniss des Genitalapparates von PI. venusta und der ganz verschiedenen Fundorte Ostafrika, Trinidad

*) Lit. : V. No. 14, p. 465, Taf. XVHI, Fig. 3.