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H. Stadelmann.
flügellos, ameisenförmig und sehr bunt gefärbt, während die Männchen Flügel besitzen. Infolgedessen ist es nicht leicht, die zusammengehörenden Geschlechter ohne Weiteres zu erkennen, falls man es nicht durch Beobachtung feststellen kann, d. h. wenn man sie in copula antrifft. Hierauf ist, wie auch bei anderen Hymenopteren, ein besonderes Augenmerk zu richten. Die Chrysididen oder Goldwespen sind meist metallisch grün oder blau gefärbt und fallen dadurch sehr auf. Die letzten Hinterleibsglieder sind fernrohrartig in die vorderen eingezogen. Die Blattwespen oder Tenthrediniden unterscheiden sich von allen anderen Hymenopteren dadurch, dass Brust und Hinterleib nicht durch einen Stiel verbunden, sondern miteinander verwachsen sind. Die Schlupf- und Blattwespen besitzen im weiblichen Geschlecht keinen Stechapparat, sondern vielfach nur einen Legestachel, vermittelst dessen sie ihre Eier in fremde Insekten ablegen. Sie können also ohne Furcht mit der Hand gegriffen werden. Ein besonderes Interesse bieten die Cynipiden oder Gallwespen. Sie legen ihre Eier in Pflanzentheile und rufen hierdurch jene Wucherungen hervor, die unter dem Namen der Gallen bekannt sind. Diese Gallen können die merkwürdigsten Formen annehmen. Da bestimmte Arten nur an bestimmte Pflanzen gehen, so ist es nöthig, beim Sammeln von Gallen immer die Stücke so zu nehmen, dass die Pflanze kenntlich bleibt.
Faunistisches.
Das bisherige Material ist anderen Insektenordnungen gegenüber noch so gering, dass wir nur einen mangelhaften Einblick in die Hymenopterenfauna von Ostafrika haben. Die Sammler dortiger Insekten fingen vorzugsweise die leichter verwerthbaren Schmetterlinge und Käfer. Die in der Berliner Sammlung vertretenen Hymenopteren rühren hauptsächlich von den Forschungsreisen her, welche von der Decken, C.W. Schmid, Hildebrandt, Reichardt, Böhme, Stuhlmann und O. Neumann in Deutsch-Ostafrika unternahmen. Hierzu kommen noch die Sammlungen von Pachinger, Dr. Baumann und dem Schiffsarzt Dr. Brauns, die zwar nicht unserem Museum gehören, aber von denen mir doch die der beiden erstgenannten Herren vorlagen. Nur die Ergebnisse der Decken'schen und ersten Stuhlmann'schen Reise sind bereits wissenschaftlich bearbeitet worden. Auch die Brauns'sche Ausbeute wurde einer wissenschaftlichen Bearbeitung unterzogen, aber dieselbe bezieht sich nur zum geringen Theil auf Deutsch-Ostafrika. Zusammenhängende faunistische Arbeiten rühren her von Gerstäcker, der die Decken'sche Ausbeute bearbeitete, und von Kohl und Mayr, welche die von Stuhlmann auf seiner ersten Reise erbeuteten Hymenopteren einer Durchsicht unterzogen. Ausserdem befinden sich in vielen anderen Werken Beschreibungen einzelner Arten. Ich unterlasse es, hier dieselben sämmtlich aufzuzählen, da ich in der Synonymenliste die hierauf bezügliche Litteratur erwähne. Zum Schluss gebe ich ein Verzeichniss der erst nach 1880 erschienenen Werke, weil bis dahin das Litteratur-Verzeichniss von Mocsäry reicht. Die von mir angeführte Litteratur kann gewisser- maassen als eine Weiterführung jenes Verzeichnisses, wenigstens was Afrika betrifft, gelten.
So gering auch verhältnissmässig das vorhandene Material ist, so lassen sich aus ihm doch einige Schlüsse über die geographische Verbreitung der Hymenopteren in Afrika ziehen. Gerstäcker nahm an 24 Hymenopteren-Arten als auf das Zanzibar- Gebiet beschränkt an. Da jedoch inzwischen viele Arten auch an anderen Stellen Afrikas nachgewiesen sind, so hat diese Zahl keine Geltung mehr.