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Bd. 4 (1898) Die Thierwelt Ost-Afrikas und der Nachbargebiete : wirbellose Thiere
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Lebensweise der Hymenopteren.

Die entwickelten Insekten suchen mit Vorliebe blühende Pflanzen auf, aus deren Nektarien sie Honig saugen. Sehr verschieden ist dagegen die Art und Weise, wie sie ihre Nester anlegen und für ihre Brut sorgen. Die Lebensweise der Honigbiene ist zu bekannt, als dass ich hier genauer darauf eingehen will. Doch sind die Nachrichten, wie sie in den einzelnen Gegenden als Hausthier benutzt wird, sehr spärlich. Meist dürfte sie jedoch in Afrika im freien Zustande anzutreffen sein. In diesem Falle schlägt sie ihre Wohnung gewöhnlich in hohlen Bäumen, Felsspalten und Erdlöchern auf. Die anderen einsam lebenden Bienen­arten, wie Xylocopa, Ceratina etc., nagen das Mark aus Holzstengeln oder bohren in das Holz selbst Gänge, um darin ihre Brutzellen anzulegen. Eine grosse An­zahl baut Erdnester, während andere an Gras, Schilf, kleine Aeste kleine kugelige Häuser bauen, die entweder aus Steinchen oder aus gespinnstähnlichen Massen bestehen.

Die gesellig lebenden Wespen hängen ihr Nest an Sträuchern und Bäumen auf. Solche umhüllte Nestbauten, wie sie unsere Hornissen aufführen, sind in Ostafrika nicht zu finden. Die dort wohnenden Wespenarten haben offene Bauten, die aus einer Reihe nebeneinander gelagerter Zellen bestehen. Die einsam lebenden Wespen erbauen ihre Brutzellen aus Lehm und Schlamm. Diese haben die mannigfachsten Formen und sind entweder an Gräsern, Zweigen u. s. w. an­geheftet oder finden sich (lach an Mauern, in Fensterecken etc. Die Grab­wespen bevorzugen für ihr Brutgeschäft grosse Sandflächen. Hier graben sie mit ihren Vorderbeinen lange Gänge, die sie allmählich mit Brut besetzen. Zum Frasse der Jungen schleppen sie andere Insekten ins Nest, die sie durch einen Stich ins Bauchmark lähmen, aber nicht tödten.

Ameisen benutzen vorhandene Höhlungen oder leben in selbst gegrabenen Gängen, die sich mitunter so weit erstrecken, dass sie darin grössere Wande­rungen unternehmen können. Eine Art stellt ihr Nest aus Blättern her, die sie vom Stamme loslöst und mit Fäden zu einem Ganzen verbindet. Interessant bei den Ameisen sind die verschiedenen Geschlechtsformen. Wie die Bienen und Wespen besitzen sie neben Männchen und Weibchen noch Arbeiter. Letztere kommen nun in den verschiedensten Formen vor. Neben grossen und kleinen haben sich bei verschiedenen Arten, ähnlich wie bei den Termiten, Soldaten aus­gebildet. Viele Ameisen halten in ihren Nestern Angehörige anderer Arten als Sklaven gefangen. Viele Hymenopteren, wie die Chrysididen, Mutillen u. s. w.; schmarotzen bei anderen Hymenopteren und Insekten. Ichneumoniden und Chalcididen werden am besten bei der Raupenzucht gewonnen, da viele von ihnen ihre Entwicklung in deren Körper durchmachen. Im Freien sind mit Leich­tigkeit nur die grösseren Schlupfwespen-Formen zu finden, während die kleinen und kleinsten beim Fliegen sehr leicht übersehen werden oder sich meist in den Spalten der Rinde von Bäumen aufhalten und darin herumlaufen. Die Tenthredi- niden oder Blattwespen haben Larven, die den Raupen der Schmetterlinge ähnlich sehen und meist auch wie diese frei auf Blättern leben, von denen sie sich ernähren. Eine grosse Anzahl dieser Larven hat die Eigenthümlichkeit, während des Sitzens den Hinterleib einzurollen. Diese sogenannten Afterraupen kann man von Schmetterlingsraupen am besten daran unterscheiden, dass sie meist mehr als 8 Fusspaare besitzen.

Es mögen nun noch kurz die Kennzeichen der hauptsächlichsten Hymen­opteren-Familien erwähnt werden. Die Apiden oder Bienen tragen vielfach ein dichtes Haarkleid. Das beste Kennzeichen ist jedoch, dass das erste Hinter­fussglied stark seitlich zusammengedrückt ist. Die Faltenwespen oder Vespiden haben in der Ruhestellung die Flügel längs gefaltet. Die Mutillidcnwcibchcn sind