Nacktsciinecken.
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Fundort: Insel Ssösswe, S.-W.-Nyansa. Unter Steinen. 15. III. 1892. Dr. Stuhlmann leg.
Anatomie. Trotz geringer Geschlechtsentwickelung, welche nicht einmal eine äussere Andeutung des weiblichen Porus ermöglicht, treten auffallende Besonderheiten hervor. Die Fussdrüse und die Darmverhältnisse (bei dunkelbrauner Leber) sind zwar dieselben, die Zwitterdrüse ist gross genug und entsprechend sind die männlichen Endwege entwickelt. Das Penis ist ausserordentlich fein, schlank und dünn, nadeiförmig, ohne Endplatte (Fig. 7 D); er lag umgeknickt in in der Scheide (E), — Andeutung einer vorhergegangenen Copula? — An der grossen Pfeilpapille sass als weiter dickwandiger Sack eine einzige Pfeildrüse (C). Das ist aber ein völlig vereinzeltes Faktum gegenüber der derben Beschaffenheit gerade dieser Vaginuladrüsen, welche selbst nach wochenlangem Maceriren im Wasser ihre feste Konsistenz zu bewahren pflegen.
Anhang.
Unsere Fortschritte bezüglich der Kenntniss der afrikanischen Nacktschnecken können kaum besser gekennzeichnet werden, als durch den Hinweis auf die Thatsache, dass von der Decken's Reisewerk, worin bekanntlich von Martens die Weichthiere bearbeitet hat, noch nichts davon bringt. Nur im Nachtrag ist eine Form erwähnt, Parmarion kerstenii v. Mart., vom Kilima- Ndjäro. Wie's bei Nacktschnecken der Fall zu sein pflegt, ist eine Beschreibung nach dem Aeusseren kaum im Stande, von der systematischen Stellung einen rechten Begriff zu geben. Pfeffer hat daher eine anatomische Beschreibung geliefert (XII), worin er verschiedene Theile der Schnecke schildert. Die Schwanzdrüse fehlt. Die Sohle ist nicht dreitheilig. Beide Nackenlappen sind am Mantel vorhanden, scharf abgesetzt; das Athemloch liegt zwischen ihnen. Die Schalenlappen sind dünn, wohl verwachsen; eine Entscheidung war unsicher. Die Genitalien entbehren aller Anhänge. Der Penis ist ziemlich dünn, ebenso der lange Blasenstiel. Die Radula erinnert theils durch die hohe Zahl der Zähne — 106 (190—1 —190) — theils durch deren Form an die Janelliden oder Athoracophoriden, der Kiefer mit einem Gaumenfortsatz an den der Succineen. Pfeffer lässt die systematische Stellung offen.
Kürzlich hat nun Medley (IV) das Thier in der That den Janelliden zugezählt. »As stated in the zoological Record, Pfeffer's aecount on tue anatomy necessitates the removal of kersteni from Parmarion and its insertion in the Janellidae.« Dass die Schnecke kein Parmarion ist, unterliegt keinem Zweifel. Ebenso unsicher aber ist die Begründung ihrer Stellung bei Janella. Die Mantcl- verhältnisse sind doch absolut andere. Die anatomischen Angaben sind mehr negativer Art und daher schwerlich beweisend. Allerdings ist zu bedenken, dass die Gattung Hyalimax von den Inseln des indischen Oceans in dieselbe Gruppe gerechnet zu werden pflegt, ohne besonders wissenschaftliche Argumente. Eine abermalige Prüfung wird zur Entscheidung vonnöthen sein; dazu aber ist erst die Wiederauffindimg und neues Material abzuwarten.
Aehnliches gilt von der Gattung Chh/mydephorus Binney, über welche Heynemann ausführlich berichtet hat (VIII). Da er Binney's Ansicht, der Mantel reiche über den ganzen Rücken, nicht theilen kann, ihn vielmehr stark reducirt oder gar verschwunden findet, schlägt er den passenden Namen Apera vor. Die nomenclatorischen Regeln kümmern sich indess nicht um die sachliche Auffassung. Die beiden einzigen Exemplare, von denen das eine vertrocknete in Philadelphia, das andere im britischen Museum steht, werden vorläufig noch auf